AG MINIFOSSI
Arbeitsgemeinschaft Mineralien, Fossilien, Gold, Glas & Fortifikation
- Arbeitsgemeinschaft besonders befähigter Schüler -
Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim
Werkrealschule
D- 79650 Schopfheim
Aus dem Bau-Tagebuch der Barockschanze in Gersbach - 23.02.2008 Der Frühling meldet sich...
In Riesenschritten geht es auf die Eröffnung am 24. Mai 2008 zu .....
Foto © Werner Störk 2008
Der kleine Wallgraben um den Chartaque hat sich über die Wintermonate gut
gesetzt und zeigt keinerlei Erosionsschäden. Die Arbeiten zur Errichtung des
Turms werden in den kommenden Tage aufgenommen. Mit sieben Metern ist
er - neben der Schanze - eine ins Auge stechende Landmarke und wird sicher-
lich zu einem sehr beliebten Aussichtspunkt. Die obere Plattform ist nach al-
len Seiten offen und bietet bei guter Sicht ein überwältigendes Panorama - bis
tief in die Schweizer Alpen und die französischen Vogesen...
Fotos © Werner Störk 2008
Der Einbau der Blockhäuser erinnert im ersten Moment an die bei gemauerten
Festungen integrierten Kasematten. Die historischen Vorbilder zeigen bei klei-
neren Erdwerken das um ca. 1 Meter tiefer in den Boden eingesenkte Block-haus in der Mitte der Schanze, Darstellungen von größeren Schanzen gehen
leider oft nicht auf solche Details ein, da auch die Künstler jener Zeit sich über-
wiegend mit den gemauerten Festungen und weniger mit den Erdwerken be-
schäftigten. Und wenn, dann oft aus einer Vogelperspektive bzw. von einem
weit entfernten Punkt aufgenommen, der eine bildliche Auswertung nicht mehr
zulässt.
Dies liegt sicher auch daran, dass die einfachen, sehr schnell errichteten Erd-
werke im Rahmen der Feldzüge mehrheitlich nur kurzfristig aufgeworfen, besetzt
und danach wieder verlassen wurden - und häufig von den einheimischen Bauern
als Sand-Lieferant für den Haus- und Straßenbau verwendet wurden (archäolo-
gisch: "Steinraub"). Bei den Schanzbauten der Linien dagegen wurde auf eine
solidere Ausführung und damit auch eine nachhaltige "Lebensdauer" geachtet -
was sich auch in unserem Untersuchungsgebiet gut dokumentieren lässt.
Musste aber bei größeren Schanzen entsprechend die größere Zahl von Vertei-
digern - in unserem Fall bis zu 200 Personen - untergebracht werden, so bot
sich - was auch historische Stiche zeigen - neben der Aufstellung von Lager-
Zelten im Innenraum auch der Einbau von Unterständen in die Wallmauern an.
Mit zunehmender Feuerkraft wurde auch das Schutzbedürfnis größer und über-
lebenswichtiger. Die rasante Weiterentwicklung der Geschütze in dieser Zeit
verändert auch mehr und mehr die Anforderungen an den Bau von Schanzen.
Dies zeigt sich auch bei Prüfung von historischen Stichen in einem deutlichen
Anwachsen der Abdeckungsstärke der Holzdächer von Blockhäusern mit Bo-
denmaterial, um den zerstörerischen Einschlag feindliche Kugel zu mildern.
Wir folgen dieser Überlegung und haben beide Blockhäuser in den Wall gelegt.
Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn das Wallvolumen groß genug ist und dieStabilität bzw. die geologisch-petrographische Voraussetzungen günstig sind, d.
h., dass optimal verzahnbares Bodenmaterial mit hoher Standfestigkeit zur Ver-
fügung steht. Für uns hat dies natürlich auch infrastrukturelle Vorteile, wie sie
auch von Leader+ gefordert wird: Wir haben so den gesamten Innenraum - rund
400 Quadratmeter - frei für Veranstaltungen wie Konzerte, Freilichtaufführungen,
Feste, etc..
Die Verwendung von Holz beim Schanzenbau hat neben dem Vorteil der schnel-
len Verfügbarkeit und dadurch auch dem logistisch problemlosen Einsatz , aber
- gerade in exponierten Höhenlagen wie in Gersbach - auch massive Nachteile:
Im Außenbereich verwittert das Holz sehr schnell und wird es ins Erdreich ein-
gebracht, verfault es relativ schnell.
Wir planen eben nicht in Zeitträumen eines Feldzuges - ca. 10 Jahre - sondern
müssen natürlich nachhaltig auch im finanziellen Bereich planen und entsprech-
end konstruieren. Zudem sind heute besondere statische Vorgaben einzuhalten,
ohne die ein solches Projekt überhaupt nicht genehmigt wird (z. B. Tragfähigkeit
des Daches mit Bodenmaterial und einer möglichen Schneedecke bei vollständige
Sättigung des Deckmaterials - was für den Laien in unglaubliche Tonnagenwerte
mündet, permanente Feuchtigkeit in den Innenräumen mit entsprechender Schä-
digung der dort eingebrachten Holzteile, etc.).
So sahen wir uns gleich aus mehreren Überlegungen heraus gezwungen, hier auf
moderne Baumittel zurückzugreifen, welche aber für den Besucher so weit "getarnt"
werden, dass der einstige Eindruck der Anlage nicht wesentlich beeinträchtigt wird.
Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Brückenpfeiler der historischen
Rheinbrücke bei Bad Säckingen, deren Außengewand aus behauenen Granitblöcken
besteht, deren Innenleben jedoch moderner Beton beinhaltet.
Hinzu kommt, dass die Vegetation, die ja noch völlig fehlt, das Ihrige dazu beitragen
wird, diese "Kompromisse" für den Besucher so weit wie möglich auszublenden.
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Repros & Sammlung © Werner Störk 2008
Fortifikations-Blockhausformen aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit Grasdach in Ständer-Bauweise.
Darunter ein Blockhaus, das auch in den Wall integriert wurde. Blockhäuser dienten als Unter-
stand und Unterkunft für die Besatzung sowie als Lagerplatz für Vorräte und Munition.
Details aus originalen Stahlstichen von 1851
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Fotos & Sammlung © Werner Störk 2008
Beispiel für ein in der Mitte platziertes Blockhaus (Bildmitte unten) und ein im Wall eingebautes
Blockhaus mit Lager (unten links)..
Fotos © Werner Störk 2007
Im Moment ruht der Baubetrieb - aber der Ausbau der beiden Blockhaus-Elemente wird wieder
aufgenommen. Die Geländer sind ebenfalls an den relativ steilen Treppen zur Brustwehr ange-
bracht. In direkter Verlängerung der Achse vom Eingangstor wird noch eine Aussichtsplattform
installiert, der sich der Blick weit über das Hochrheintal bis tief in die Schweizer Alpen hin zieht.
In Kürze wird der Bau der Chartaque in Angriff genommen und auch die Weiden für die Faschi-
nen der Blockhäuser sind bereits geschnitten und werden derzeit schon gewässert. Zum Schluss
erhalten sie dann - wie ihre historischen Vorbilder - eine dicke Humusschicht aufgelegt. Die Sei-
tenwände werden mit Flechtwerk bestückt und später mit Brombeerranken ("grüner Stacheldraht")
und wildem Wein bepflanzt...
Foto © Werner Störk 2008
Möglichkeiten und Grenzen der experimentelle Archäologie & Archäotechnik Der Frühling kündigt sich auch schon in Gersbach an und damit werden die Bauarbeiten wieder
aufgenommen. Die Witterung hat der Schanze nirgends erkennbar zugesetzt, die aufgelegten
Netze haben ihre Aufgabe bestens erfüllt. Nun kann die Schanze endlich grün werden.In der Mitte des westlichen Segmentes ist für die Besucher eine kleine Aussichtsplattform vor-
gesehen, von der sie ungefährdet in den 7 Meter tiefer liegenden Wallgraben blicken können -
und gleichzeitig natürlich einen imposanten Rundblick haben. Die Treppe wird noch mit einem
beidseitigen Geländer versehen, um älteren und ganz jungen Besuchern eine zusätzliche Sicher-
heit zu bieten. Die speziellen Witterungsverhältnisse in Gersbach haben uns dazu veranlasst,
grundsätzlich keine Natursteine oder Holztreppen bzw. Geländer einzusetzen, sondern hier mit
modernen Baumaterialien nachhaltig, vor allem auch aus versicherungsrechtlichen Gründen zu
arbeiten. Solche Kompromisse sind notwendig, auch um eine funktionierende und sichere Be-
suchersituation zu gewährleisten.Die experimentelle Archäologie versucht Lebensweisen und Techniken der Vergangenheit zu
erforschen, indem sie diese nachbildet und zur Anwendung bringt. So versucht sie die Arbeits-
techniken der Vergangenheit zu erschließen. In der Anwendung dieser Nachbildungen wird der
technische Stand vergangener Epochen erfahrbar.Wird dies in einem rein fachwissenschaftlichen Projekt umgesetzt, gelten andere Prämissen
als in einem Projekt wie dem unserigen, wo auchr touristischen Anforderungen eines öffent-
lich zugänglichen Besucher-Objektes zu beachten sind.Und damit auch konkrete juristisch-verbindliche, baurechtliche, versicherungsrechtliche und hygien-
ische Vorgaben erfüllen zu sind. Das es hier zwangsläufig zu Kompromiss-Lösungen kommen muss,
ist für einen Praktiker eine gewohnte Tatsache.
Bei Vorort-Besuchen durch internatonale Fortifikationsexperten, die eben nicht im Elfenbeinturm ihrer
Fachwissenschaft verharren, war dies eine allseits akzeptable Lösung. Wir haben uns auf den Nach-
bau einer Schanze aus der Barockzeit beschränkt und die aus dem von uns in fünf Jahren intensiv
untersuchten Schanzen und Wallanlagen unseres Raumes (126) gewonnenen Erkenntnisse praxisnah
umgesetzt.
Man könnte es auch als eine Mischform aus experimenteller Archäologie und Archäotechnik sehen.
Wobei wir die Veränderungen der Schanze, des Schanzenkorpus sowie der Wallanlagen über einen
Zeitraum von 5 Jahren intensiv beobachten und diese dokumentieren (Vegetation, Erosionsrinnen, Ab-
rutschungen, Absenkungen etc.).
Wir denken, dass bei einem solchen Projekt, das einerseits auf historischen Grundlagen fußt,
andererseits ganz klar einer touristischen Infrastruktur dienen soll, natürlich Kompromisse an
Material, Statik und Ausführung gemacht werden müssen. Wobei diese bei der Anlage, wenn sie
einmal begrünt und soweit fertig ist (Faschinen, Holz-Verkleidung der Blockhäuser, Seiten-und Dachbepflanzung, Gesamtbegrünung), z. B. auch bei den Betontreppen, nicht mehr auffallen.
Ein ebenso wichtiger Punkt ist die möglichst kostengünstige Erhaltung einer solchen Anlage, ge-
rade dann, wenn z. B. Holzteile einer extremen Witterung (Gersbach liegt auf rund 1000 Metern
Höhe) ausgesetzt sind (siehe oben). Dies wird von uns auch in den kommenden Jahren - wie bereitsoben angesprochen - genau beobachtet und dokumentiert, ebenso wie und wo es zu Erosionsspu-
ren auf den Wällen kommt.
Da die Anlage von dem Förderverein Gerisbac betrieben werden wird, ist eine Überschaubarkeit der
finanziellen Aufwendungen für die laufenden Kosten der Anlage sehr wichtig, um Haushaltsrisiken
zu vermeiden und die Anlage immer in einem Top-Zustand zu erhalten.
Die Anlage wird den Besucher mehrheitlich durch Punkte wie Wallhöhe, Grabentiefe, geometrische
Form und das Eingangstor beeindrucken sowie durch das Gesamtbild, das die Schanze in dieser
exponierten Lage bietet.
Und gerade die älteren und kleineren Besucher werden froh sein, dass sie bei einem regnerischen
Tag nicht über eine gefährlich-rutschige Holz- oder Naturstein-Treppen hinauf- oder hinabsteigenmüssen. Ältere Menschen sind bereits jetzt froh über die stabilen Geländer und die festen Tritte
und Veranstalter wie Besucher werden sich freuen, wenn sie in der Schanze die Möglichkeit haben,
auf einer moderne WC-Anlage zu sitzen und nicht auf einem freistehenden "Donnerbalken".
Experimentelle Archäologie versucht, alte Techniken, Bauformen oder Prozesse wiederzubeleben -
und muss dabei immer wieder - genau wie wir - Kompromisse eingehen: Was jeder Fachmann be-stätigt. Wir haben - gemessen am Gesamtvolumen der Schanze - das umgesetzt, was sich auf Grund
der Feldarbeit im Raum Gersbach konkret ergeben hat. Wir haben eine Schanze gebaut, die dem Be-
sucher das räumliche Bild sowie den historischen Hintergrund näher bringt - und das mit Erfolg...
Repro & Sammlung © Werner Störk 2008
Harter körperlicher Einsatz mit einfachstem Gerät - wie auch bei den
Schanzbauern im Mittelalter, die oft sogar nur über Holzspaten undhölzerne Zieh- oder Schubkarren verfügten.
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Die Errichtung der Gersbacher Schanze und des Wald-Glas-Zentrums in Gersbach werden
im Rahmen der EU-Gemeinschaftsinitiative LEADER+ mit Mitteln der EU und des
Landes Baden-Württemberg gefördert.
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©ES&WS-2008