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Ein Oberflächenfund
aus dem Raum Wieslet – Tegernau beschäftigt derzeit die AG Minifossi:
Ein Wiesleter Bürger
fand auf einer frisch aufgeschütteten Wegdecke eine rostige
Kugel und
brachte sie zur näheren
Bestimmung in die derzeit laufende Sonderausstellung über den Tür-
kenlouis. |
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Eine erste Untersuchung
bestätigte die Vermutung: Es handelt sich dabei tatsächlich um
eine sog. „Einpfünder“,
eine historische Kanonenkugel. Sie hat einen Durchmesser von nur
5 Zentimetern und dabei
ein erstaunliches Gewicht von 580 Gramm. |
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Wobei das Mehrgewicht durch
die in der Erde entwickelte Erosionskruste entstand. Das hohe
Gewicht weist die Kugel
als Vollkugel aus Gußeisen aus, im Gegensatz zu den „Hohlkugeln“,
deren Pulverfüllung
entweder schon in der Luft oder erst beim Bodenaufprall explodierte. Die
Kugel trägt eine erkennbare
Gussnaht. Ein kleines Loch weist auf einen Gußfehler hin, wes-
halb die Kugel womöglich
gar nicht zum Einsatz kam, da der Kanonier befürchten musste,
dass die Kugel schon beim
Zünden im Geschützrohr auseinander riss. |
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Die AG Minifossi verfügt
derzeit über 50 originale Vergleichsstücke, die eine erste Einschät-
zung zulassen. Im Rahmen
ihrer internationalen Kooperationen steht den Minifossis aber
auch hochwertige Mess- und
Untersuchungsmethoden zur Verfügung, die jetzt ein erstes,
überraschendes Ergebnis
erbrachten: Alle Mess- und Vergleichsdaten weisen auf den Zeit-
raum um 1700 hin und sind
so relativ exakt den französischen Angriffen auf das Wiesental
zuzuordnen. |
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Zwei historische Daten bilden
dabei die geschichtliche Kulisse, vor der es zum Einsatz
solchen Kanonenkugeln kam: |
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1678 wurden zum Ausbau der
großen französischen Festung von Hüningen auch Männer
des Wiesental zu Schanzarbeiten
gepresst. Wegen Widerstands der Burg Rötteln wurde
dabei das Dorf Rötteln
niedergebrannt. Neben Weitenau, Tegernau und Wieslet ging auch
der unter Teil von Schönau
in Flammen auf, der obere Teil der Stadt wurde bereits 1677
verwüstet. 1702 erlebte
das Wiesental nochmals einen Angriff. In beiden Fällen kamen
auch solche Kugeln, wie
jetzt gefunden, zum Einsatz. |
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Diese Kugeln wurden von
Artillerie-Feldgeschützen zur Unterstützung der Infanterie (Fuß-
truppen) mitgeführt.
Sie eigneten sich besonders in bergigem Gelände und beim Fehlen
von gut befahrbaren Wegen
– wie damals typisch für den Südschwarzwald. Beim Trans-
port wurde sie auf einer
Lafette von einem Pferd gezogen, zum mobilen Einsatz konnten
sie relativ leicht von ein
zwei bis drei Mann in Stellung gebracht werden. Vermutlich wurde
sie bereits mit einem Pulversack
gezündet, einer Fortentwicklung der Zündtechnik aus
dem 30-jährigen Krieg. |
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Bei der Feldartillerie waren
Kanonenkugeln die Hauptgeschosse. Wurden sie in einem in
flachem Winkel abgefeuert,
flogen die Vollkugeln aus Gusseisen in Kopfhöhe der Solda-
ten (diese hörten wirklich
das sprichwörtliche Pfeifen der Kugeln, wenn sie ihnen um die
Ohren flogen). Nach ungefähr
800 Metern berührten sie das erste Mal den Boden, von
dem sie dann wieder durch
den flachen Aufprallwinkel in die Luft gelenkt wurden, um
nach weiteren 400 Metern
das zweite Mal aufzusetzen. Dann sprangen sie ein letztes
Mal hoch und flogen nochmals
200 Meter weit. Auf Grund der damals praktizierten „Lin-
eartaktik“ der Truppenaufstellung
schlugen solche Vollkugeln in den dichten Reihen der
Fußsoldaten, aber
auch bei der Reiterei, verheerende Schneisen. |
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Die Minifossis gehen davon
aus, dass es bereits mehrfach zu solchen Oberflächenfunden
gekommen ist, die aber nicht
öffentlich bekannt wurden. Jedoch nur so lassen sich histo-
risch interessante Rückschlüsse
über jene unruhige Zeit im Wiesental rekonstruieren. |
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Deshalb bieten wir auch
eine Weiterleitung zur Begutachtung solcher bislang unbekann-
ter Funde an. |
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