Selbstversorgerhaus
Ev. Freizeithaus Gersbach
Naturpark Südlicher Schwarzwald


AG MINIFOSSI
Arbeitsgemeinschaft Mineralien, Fossilien, Gold, Glas & Fortifikation
- Arbeitsgemeinschaft besonders befähigter Schüler -
Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim
 Gemeinschaftsschule
D- 79650 Schopfheim

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Aus der Glashüttengeschichte des Bayrischen Waldes
Das Glashüttengut Riedlhütte um 1450
Von Einträgern, Glasschleifern und dem Glashüttengeist Turantl
 
 
Der Glasschmelzofen
Herz der alten Waldglashütte war der Schmelzofen. Er war aus handgefertigten
Ton-Schamotte-Ziegeln gemauert. In seinem Inneren befanden sich vier bis 
sechs Schmelztiegel, die Hafen oder Glashafen genannt werden. Der Schmelz-
ofen wurde mit Holz beheizt. Dieses wurde über dem Ofen in der sogenannten 
„Dörre“ getrocknet.  Beheizt wurde der Ofen von unten. Es führte eine Treppe 
zur Schür. Neben dem Schürloch befand sich ein kleiner Raum für das Feuerholz.
Neben dem Schmelzofen befand sich der Ascheofen. In diesem wurde das fertige
Glas langsam abgekühlt, um Spannungen im Material zu vermeiden.
Daneben befand sich die Schwenkgrube, in der die Glaszylinder  geschwenkt 
wurden. Dann wurden die Zylinder aufgeschnitten und im Streckofen erneut 
erwärmt und anschließend zu Fensterscheiben oder Spiegelglasscheiben 
geplättet. Durch die Waldglashütte führte entweder ein kleiner Hüttenbach oder
das Wasser wurde mit einer hölzernen Wasserleitung in die Hütte geleitet.
 Die Hütte
Der Boden der Hütte bestand aus Lehm. Die Hütte selbst war aus Holz 
zusammengezimmert und bei großen Schneemengen konnte es vor-
kommen, dass das Hüttendach eingedrückt wurde. Typisch für die Wald-
glashütten ist noch heute das Rauchdach. Da der Ofen von unten beheizt 
wurde und keinen Kamin hatte, trat der beißende aus den Ofenlöchern 
aus und zog über das Rauchdach ab. Die Glasmacher hatten damals 
rußverschmierte Gesichter.  Ähnlich einer Dachgaube befindet sich auf
dem Satteldach das Rauchdach als Überbau für die Abluft.
Die Schleiferei
Diese war in einem Nebengebäude untergebracht und befand sich am 
Bach. Die Schleifscheiben wurden mit Wasserkraft angetrieben. Es kam
auch vor, dass die Schleif nicht unmittelbar bei der Hütte war.
Die Mühle und das Sägewerk
Zum Glashüttengut Riedlhütte gehörte eine Mühle, die im Obereigentum
des Klosters Sankt Oswald stand und ein Sägewerk.
Der Eisenhammer
Zum Glashüttengut Riedlhütte gehörte ein Eisenhammer. Das ist eine 
wassergetriebene Hammerschmiede. Gefertigt wurde darin das 
Arbeitsgerät der Glasmacher und die Werkzeuge für die Nebenberufe
und für die Landwirtschaft. Außerdem wurden natürlich auch Pferde 
beschlagen und was sonst ein Schmied so alles macht.
Das Herrenhaus
Das Herrenhaus war Wohnsitz  des Hüttenherren. Es war das schönste 
und größte Gebäude des Glashüttengutes. Meist wohnten auch der 
Hüttenmeister als bester Glasmacher kostenlos im Herrenhaus. Auf
dem Dach befand sich ein Glockenturm.
Die Kapelle
Zum Glashüttengut gehörte auch eine kleine Glasmacherkapelle, es sei
denn am Ort befand sich eine Kirche. In der Kapelle befand sich an 
Ostern das heilige Grab. Dieses bestand aus Glaskugeln die mit 
farbigen Wasser gefüllt waren. Dahinter standen Kerzen, die dem 
heiligen Grab ein besonders mystisches Licht gaben.
Der Stall
In Riedlhütte gab es einen Ochsenstall und (seltener) einen Pferdestall.
Im Ochsenstall befanden sich neben den schweren Zugochsen auch 
die Milchkühe.
Der Hüttenherr
Besitzer der Glashütte war der Hüttenherr. Er hatte in einem Erbrechtsbrief 
die Nutzung von etwa 3500 Hektar Grund für sein Glashüttengut zugestanden
bekommen. Innerhalb seines Glashüttengutes war er der absolute Alleinherr-
scher. Er bestimmte, wer heiraten durfte und gab den Glasmachern kosten-
loses Wohnrecht. Er gestattete die Nutzung eines landwirtschaftlichen Grund-
stückes und die Haltung einer Geiß oder einer Kuh. Außerdem versorgte er 
die alten und kranken Glasmacher bis ans Lebensende, wenn  sie arbeits-
unfähig wurden und kümmerte sich um die Familien verstorbener Glasmacher.
Bei den in seinem Glashüttengut geborenen  Kindern war der Hüttenherr 
Taufpate. Er war also viel mehr als nur der Arbeitgeber.  Der Hüttenherr 
hatte auch das Jagdrecht und entschied kleinere Streitigkeiten innerhalb 
des Hüttengutes selbst. Das Strafgericht hatte der Pfleger von Bärnstein 
inne, der auch die Steuern beim Hüttenherrn einhob.
Die Glasmacher
 Eine Werkstatt bestand aus  Meister, Einbläser, Anfänger (der das Glas 
aus dem Hafen holte und damit das Werkstück anfing) und dem Einträger. 
Meister war der Glasmacher, der das Glas fertig machte. Bei den Patterl-
hütten wurde der Meister Zangler genannt. Dieser fertigte mit flinken Hän-
den die Rosenkranzperlen, Patterl genannt. Dazu benutzte er eine beson-
dere Zange, welche ihm seine Berufsbezeichnung gab. Der Zangler hatte
auch das Recht das Hüttenwirtshaus zu betreiben. Dieses Wirtshaus ver-
sorgte die stets durstigen Glasmacher mit Bier und wurde „s’ Zangl“ oder
„s’ Hüttenwirtshaus“ genannt.  Im Zangl wurden die vom Einträgerbuben
geholten Bierkrüge in ein doppeltes Holzbrett eingekerbt. Die eine Hälfte 
des Brettes blieb im Zangl, die andere beim Glasmacher. 
So entstand der Begriff das „Kerbholz“ oder es hat einer „viel auf dem Kerbholz“.
Die Gesellen wurden früher nicht vom Hüttenherrn sondern vom Meister bezahlt.
Im Zangl wartete man auch auf die Auszahlung des wöchentlichen Arbeitslohns.
Manche Glasmacher sind dann beim Kartenspielen sitzen geblieben und 
haben den Lohn vertrunken. Oder sie wurden von der Ehefrau abgeholt, die 
natürlich den Lohn benötigte, um die vielen hungrigen Kinder satt zu kriegen.
Um den Glasofen befindet sich auch heute noch eine Arbeitsbühne. Die 
Glasmacher haben dadurch einen höheren Arbeitsplatz als die Einträger-
buben und alle anderen Hilfsberufe. Seit jeher war es das Ziel der Einträger-
buben, möglichst bald „auf den Ofen“ zu kommen.  Das markierte einen 
Standesunterschied. Die Glasmacher schauten vom Ofen aus etwas ver-
ächtlich herab. Sie waren es, die das glühende Glas mit flinken Fingern
formen und damit die Existenz aller anderen „niederen“ Berufe sicherten.
Der Glasschleifer
Als zweiten wichtigen Beruf gab es auch früher schon die Glasschleifer. 
Diese schliffen auf großen liegenden Sandsteinscheiben die Fenster- 
und Spiegelglasscheiben plan (eben). Auch heute gibt es die Scheiben-
schleife als eigene Werkstätte noch.  Beim Hohlglas (Trinkgefäße, Vasen
usw.), wurden die Glasschleifer als Kugler bezeichnet. Sie schliffen in die
Bodenplatte (den Fuß) der Vasen eine Kugel und erreichten damit eine
gute Standfestigkeit.
Der Einträger
Auf der niedrigsten sozialen Stufe befand sich der Einträgerbub. Seine Aufgabe
bestand darin, das noch heiße Glas in den Ascheofen und in neuerer Zeit in das
Kühlband zu bringen. Morgens musste er vor Arbeitsbeginn der Glasmacher 
das Glas vom Vortag aus dem Ascheofen holen. Er musste den ganzen Tag 
laufen und springen, wie es den Glasmachern oben auf dem Glasofen passte,
wurde dabei noch gehänselt. Außerdem musste der Einträger den Glasmachern
das Werkzeug vorbereiten und wegräumen, war eine Art Diener und erhielt 
öfters mal einige Watschen. Nur in den Arbeitspausen und nach Feierabend 
konnte er das Glasmachen als Helfer beim „Glasschinden“ versuchen und half 
dabei kleine Tiere und andere Spaßgegenstände kunstvoll zu fertigen. Mit der
Zeit lernte er selbst das Glasmachen und durfte dann als Geselle auf den 
Glasofen. Jetzt war er es, der die neuen Einträger „hundsen“ konnte.
Der Kraxenträger
Das Glas wurde von den Frauen der Glasmacher in Stroh oder Heu verpackt
und in Buckelkraxen transportiert. Der Glashändler war mit der Kraxe auf dem
Rücken unterwegs. Es wird berichtet, dass der Kraxenträger um 1600 „in den
Wäldern zwischen Rachel und Lusen eher einem wilden Bären begegnete als
einem Menschen“.
Das Waldglas
Typisch war die grünliche Farbe des alten Waldglases. Diese entstand, weil im
Quarzgestein Eisen enthalten war. Eisen gibt grünes Glas. Erst später fand man
Möglichkeiten um das Glas zu entfärben und weißes Glas zu schmelzen. Weißes
Glas = farbloses Glas. Ab etwa 900 n. Ch. wurden Trinkbecher gefertigt, die mit
Noppen (manchmal als Brombeeren ausgeführt) verziert waren oder die mit feinen
Glasfäden umsponnen waren. Man spricht vom gesponnenen Glas.
Nebenberufe
Holzhauer
Diese waren für den Holzeinschlag im Wald zuständig. Oft blieben sie die 
ganze Woche im Wald und nächtigten in einfachen Blockhütten, deren 
Dächer mit Rinde eingedeckt war.
Scheiterhacker
Versorgte die Glashütte mit Brennholz für den Glasofen. Die Scheiter 
waren 60 cm lang. Erst im 19. Jahrhundert kam der Stöcklschneider 
dazu, weil für die Heizung mit den Siemens-Generatoren kürzere 
Holzstücke erforderlich waren.
Schürer
Es gab einen Tagschürer und einen Nachtschürer.  Nach Ende der Glas-
schmelze ging der Schürer zum Klopfen. Er weckte damit die Glasmacher 
auf.
Schmelzer und  Schmelzhelfer
War dafür verantwortlich, das die Glasschmelze gelang. Zur Färbung und 
Entfärbung des Glases hatte er geheime Rezepte.  Zur Entfärbung wurde
Braunstein verwendet, der das glühende Glas zum brodeln und schäumen
brachte und daher Glasmacherseife genannt wurde.
Aschenbrenner
Er lebte im Wald und erzeugte aus Buchen- und Fichtenholz Asche. Oft 
Vater und Sohn, weil es allein im Wald zu gefährlich war. Das Weib des
Aschenbrenners zog von Haus zu Haus und sammelte die Hausbrandasche.
Der Flusssieder oder Pottaschesieder
Verarbeitete die Asche zu Pottasche als Flussmittel für die Glasschmelze.
In großen Kesseln (Pötten) wurde Aschenlauge gekocht und dadurch ge-
läutert. Als letzter Arbeitsgang wurde die Pottasche kalziniert.
Pochermann
Sorgte mit seinem Pocher (oder Pucher) für den Quarzsand, der zur Glas-
produktion in großen Mengen benötigt wurde, denn 60% des  Glases be-
steht aus Quarz. Der Pochermann wurde nicht alt, den der scharfkantige 
Quarzsand zerfraß seine Lunge. Daher wurden hüttenfremde Personen
gerne als Pochermann eingesetzt.
Fuhrmann
Für den Holztransport und um größere Glasmengen auf dem Goldenen 
Steig nach Passau oder Vilshofen oder in die Gegenrichtung nach Prag
zu transportieren. Außerdem holte der Fuhrmann den Kalk aus der 
Gegend von Regensburg (Barbing).
Baumann
Landwirt, war für die Produktion der Lebensmittel zuständig und küm-
merte sich mit einem Knecht um die Zugochsen und Zugpferde.
Der Hafenmacher
Fertigte aus Ton die Glashafen an, also ein Art Töpfer. Er verwendete 
grünen Ton und gebrannte Schamotte als Material für seine Handwerks-
kunst. Man sagte auch, der Hafen wird geschlagen. Gleichzeitig war der
Hafenmacher auch Ofenmauerer. Er mauerte die Glasschmelzöfen. Von 
seiner Kunst hing es ab, wie lange ein Ofen hält. Kalter Ofen war für die
Glasmacher eine Katastrophe, weil es dann wochenlang keine Arbeit 
gab.
Der Hüttenschreiber und Lehrer
Für die Buchhaltung und den Schriftverkehr mit den königlichen Behörden
war der Hüttenschreiber zuständig. Gleichzeitig war er auch Lehrer.
Nachbarschaft
In der Nachbarschaft der Waldglashütten befanden sich kleinere Bauerndörfer.
Die Glasmacher waren frei und blickten auf die Bauern von oben herab. Sie 
meinten die Bauern seinen von geringerem Stand.  Umgekehrt fühlten sich 
z. B. die Reichenberger Bauern als „frei“, denn sie waren von Anfang an 
Grundbesitzer  und nicht an die Weisungen des Hüttenherrn gebunden. Die
Bauern aus den meisten Dörfern mussten für das Landgericht Bärnstein und
damit für den Bayerischen Herzog Scharwerk leisten. So meinte jeder der 
beiden Berufsstände er sei „etwas besseres“.  Geheiratet wurde meist nur 
innerhalb des eigenen Standes. Nachgeborene Bauernsöhne mussten vom
Hof weichen und versuchten immer wieder in der Glashütte Fuß zu fassen. 
Manche konnten dort einen Nebenberuf ergattern.  Mit der Zeit vermischten
sich die beiden Stände immer mehr. Aber noch heute ist der Unterschied 
zwischen einem Glasmacherdorf und einem Bauerndorf zu merken.
 Handelswege
 Im ausgehenden Mittelalter wurde das Glas auf uralten Handelswegen, 
„Goldener Steig“ genannt, über Grafenau  nach Vilshofen und Passau 
gebracht. Von dort ging es weiter nach Nürnberg und in die Fuggerstadt 
Augsburg. Die Fugger betrieben Handel mit allen Handelsmetropolen 
der damals bekannten Welt. Die spanischen Seefahrer benutzten 
Glasperlen aus dem Bayerischen Wald und aus dem Böhmerwald als 
Zahlungsmittel beim Sklavenhandel.  Es gab aber nicht nur einen 
Goldenen Steig, sondern viele. Die bayerischen Handelssteige führten
über Vilshofen an Passau vorbei. 
Die Kurfürstlichen Handelswege führten von der Bischofsstadt Passau aus 
nach Böhmen. Mit diesen Handelswegen waren Bayerischer Wald und 
Böhmerwald viel besser erschlossen, als es bisher immer angenommen 
wurde. Angelegt wurden die ältesten Handelswege schon vor der Römerzeit
vom alten Volk der Kelten.  Ein wichtiges Handelsziel war Prag (CR). Wir 
gehen heute davon aus, dass die Fensterscheiben im Prager Dom im 
Bayerischen Wald und im Böhmerwald gefertigt wurden.
Der Glashüttengeist Turandl
In der Glashütte zeigte sich oft der gute Geist „Turandl“. Er  war aber gefürchtet, 
weil er die Glasmacher vor einem nahenden Unglück warnte. So brannte eine 
Glashütte ab, nachdem der Turandl vorher im Gebälk der Hütte gesehen wurde.
Was wurde gefertigt?
Patterl, besonders begehrt waren die roten Goldrubinperlen, die seit 1690 im 
Bayerischen Wald gefertigt wurden, Glasperlen, Tafelglasscheiben als 
Fensterscheiben und Spiegelglasscheiben, Butzenscheiben, Mondglas-
scheiben, Flaschen, Vasen, Krüge und Trinkgefäße, Pokale, Scherzgefäße 
und Medizingefäße.
Quelle: Hans Schopf und Willi Steger, Schulplatz 2, 94566 Riedlhütte
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