Selbstversorgerhaus
Ev. Freizeithaus Gersbach
Naturpark Südlicher Schwarzwald


AG MINIFOSSI
Arbeitsgemeinschaft Mineralien, Fossilien, Gold, Glas & Fortifikation
- Arbeitsgemeinschaft besonders befähigter Schüler -
Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim
 Gemeinschaftsschule
D- 79650 Schopfheim

Blick in die Geschichte des Waldglases 
  Die Glashütten im Schwarzwald 
Von Märchen und Mythen, von Glasbergen und Glasmeistern
 
Als eines der ältesten Kunstprodukte des Menschen ist Glas ein kulturgeschicht-
licher Werkstoff, der facettenreich betrachtet werden kann.

Mit Glas verbindet sich eine 7000-jährige Entwicklungsgeschichte des Handwerks,
der Kultur und der Kunst. 


Rechnet man das natürliche Glas, den Obsidian, noch hinzu, gelangen wir zurück in

die Zeit der Jäger und Sammler, als Ahnen mit scharfen Pfeilspitzen aus Glasstein 
in den dunklen Wäldern des Schwarzwaldes ihr Wild erlegten. Damals wie heute 
fasziniert das durchsichtige Material die Menschen und war häufig Anlaß zum 
künstlerischen Schaffen. Bei entsprechender Fürsorge wird Glas seine Hersteller 
überdauern, im günstigsten Fall tausende von Jahren. 
Das weströmische Kaiserreich nahm im Jahre 493 n.Chr. sein Ende, nachdem 
heftige, erbitterte Kämpfe die Ohnmacht des Imperiums offenlegten. Durch den 
Niedergang des Weltreiches und die nun beginnenden Völkerwanderungen ging 
ein gutes Stück der Glasmacherkunst verloren. Die aufkommende christliche Welt
bezichtigte die Glasmacher eines "heidnischen Teufelswerk" und brandmarkte 
Gläser als Teufelswerk. Die wichtigste Kundschaft der Glasmacher, die Kirche 
und der Klerus, kündigten den Glasmachern ihren Bedarf.
Papst Leo IV erließ um 850 ein Verbot, in Gottesdiensten Glasgefäße zu verwend:
en. Bereits vorher hatte das Konzil zu Reims im Jahre 803 unter Leo III und danach
das Konzil zu Trient (895) unter Papst Formosus ein Edikt gegen die Benutzung
von Glasgefäßen in Gotteshäusern erlassen. Von allen Kirchen und Kanzeln setzte
ein Feldzug gegen Glasbeigaben für die Gräber der Toten und erst recht gegen
Glasurnen ein. Denn auch die Leichenverbrennung und gesonderte Aufbewahrung
der Asche waren als heidnischer Brauch verdammt.
Aber was die Kirchen verteufelten, hoben die Klöster später wieder aus der Taufe: 
Sie richteten Glashütten ein, um Gefäße für die von ihnen erzeugten alkoholischen 
Getränke, wie Likör und Schnäpse, zu fertigen. 
Von den Schwarzwälder Glashütten zeugen ca. dreihundert Orts-, Gewann- und 
Flurnamen, wie z.B.: Glaserberg, Glasermatt, Glashütte, Glasig oder Glasbach. 
Heute findet man in den Bächen gelegentlich Glasreste früherer Glashütten. 
1257 wurden in Basler Urkunden zwei Männer aus dem Dorf Glashütten in der
Gemeinde Altenschwand bei Säckingen erwähnt. Die Männer hießen 
"Bertholdus und Wernherus von deen Glashutten".
 In den Laubwäldern des damaligen Schwarzwaldes fanden die Glasmacher 
alles vor, was sie brauchten. Die Hainbuchen eigneten sich besonders gut 
für die Herstellung von Pottasche und zur Feuerung der Öfen. Den Quarzsand 
schöpften die Glasmacher aus den Bächen und bevorzugten die Granit- und
Buntsandsteingebiete. Zunächst war das "Waldglas" grünlich, weil man die 
Glasschmelze nicht von den Eisenbeimischungen der Rohstoffe reinigte.
Wegen der Zerbrechlichkeit der Materie, haben wir heute aus der Frühzeit 
der Schwarzwälder Glashütten fast nur noch Glasscherben vorzuweisen, 
die aufmerksame Forscher gelegentlich, nicht zuletzt unter der Mithilfe des 
tatkräftigen Maulwurfes, finden. Die Waldhütten waren Wanderhütten, d.h., 
wenn der Waldbestand um die Glashütte abgeholzt war, zogen die Glas-
macher weiter in ein neues Gebiet. Ein anschauliches Beispiel für den 
ständigen Ortswechsel ist die Glashütte des Klosters St. Blasien. Im Süd-
osten des Schluchsees wurde 1579 die erste Glashütte errichtet, nach
fünfmaligem Ortswechsel siedelten sich die Glasmacher im Jahre 1716 in
"Äule" (der kleine Au) an, wo sie bis 1878 arbeiteten. "Äule" ist die Glas-
hütte, die am längsten in der alten Tradition im Schwarzwald bestand. Die
Bezeichnung "Altglashütten" und "Neuglashütten" weisen deutlich auf die
Umsiedlungsbräuche hin. 
Die Glasmacher organisierten sich, indem sich in der Regel zehn Glasmeister, 
ein Gastwirt und ein Müller zu einer Genossenschaft zusammenschlossen. Von
den Grundherren bekam die Genossenschaft ein Waldgebiet geliehen. Häus-
ler und Tagelöhner siedelten sich zu den Glasmachern um sich als Pottasche-
sieder und Holzfäller zu verdingen. Am Glasofen selbst arbeiteten die Glas-
macher nebeneinander, aber jeder einzelne Glasmeister für sich an seinem 
Ofenloch. Gemeinsam wurden die Kosten für den Betrieb der Glashütten get-
ragen, nach dem Motto der Betriebsform, die zu Anfang des 17. Jahrhunderts
noch den bergmännischen Gewerkschaften üblich war: "Gemeinsame Ver-
leihung, gesonderter Betrieb." Am 23. April, dem Tag des heiligen Georg, 
wurde jedes Jahr beim "Kehrum Fest" ein neuer Obermeister der Glashütte
gewählt. 
 Im 19. Jahrhundert gerieten die Waldglashütten in wirtschaftliche Bedrängnis,
denn sie lagen zu weit von den Verkehrswegen entfernt. Mit der Entwicklung 
der Eisenbahn nahm der Faktor Zeit einen immer bedeutender werdenden 
Platz ein. Schneller und ökonomischer hieß es, um konkurrenzfähig zu sein. 
Wer wollte beschwerliche Waldwege in Kauf nehmen und die Waren bei den
Waldglashütten bestellen? Was den Glasmachern immer ein Vorteil war, 
daß der Rohstoff Holz direkt am Produktionsort vorhanden war, wurde ihnen
nun zum Verhängnis. Lange Verkehrswege bedeuteten hohe Kosten, die 
unmittelbar mit sinkenden Umsätzen verbunden waren. Nur jene Glashütten, 
die an ein gut organisiertes Verkehrsnetz angebunden waren, konnten 
überleben.
Die größte Holzglasfabrik in Baden, die bis heute erfolgreich arbeitet, ist 
die Gerresheimer Glas AG in Achern. Der Lärmpegel in der modernen 
Glasfabrik ist mit 120 Dezibel so laut, wie ein Jumbo-Jet beim Start. Drei
riesige Glasöfen, von über 30 Metern Länge und einer Temperatur von 160
Grad Celsius produzieren in der Minute 400 Behältergläser: In der Ver-
packungshalle zirkulieren auf mehreren Kilometer langen Förderbändern
etwa 200.000 Glasgefäße. 
 In Märchen oder Mythen, in der Alchemie und Philosophie hat die Materie Glas
zahlreiche Spuren hinterlassen. - Neben gläsernen Früchten taucht im Märchen
häufiger das Motiv des Glasberges auf. Er ist ein Berg, der überschritten werden
muß, um in die Geisterwelt zu gelangen. Ein Märchen aus dem Hauensteinischen
lautet: "Es war eine verzauberte Königstochter, die konnte niemand erlösen, als 
wer den Glasberg erstiegen hatte, worin sie gebannt war. Da kam ein junger 
Gesell ins Wirtshaus. Zum Mittagessen wurde ihm ein gekocht Hühnchen vor-
gesetzt, alle Knöchlein davon sammlte er sorgfältig, steckte sie ein und ging 
nach dem Glasberg zu. Wie er dabei angekommen war, nahm er ein Knöchlein
und noch eins, bis er fast ganz hinaufgestiegen war. Er hatte nur eine einzige Stufe
übrig, da fehlte ihm nur ein einziges Knöchlein, worauf er sich den kleinen Finger 
abschnitt und in den Glasberg steckte; so kam er vollends hinauf und erlöste die
Königstochter." 
In der Volksmedizin nahm das Glas neben den Edelsteinen einen ebenbürtigen
Platz ein. Zur Behebung von Kinderkrankheiten sollte das "Glitzern" des Glases
dienlich sein. Dem erkrankten Kind wurde eine Glasscheibe auf das Gesicht 
gelegt, in der sich die Sonne spiegeln sollte, um das Licht in den schwachen 
Körper zu schicken. Eine andere Heilmethode war jene, gegen Spulwürmer 
und Lungenstiche, bei der zerstoßenes Glas eingenommen wurde
Am Nordatlantik lebte noch lange die Sitte der Fischerfrauen, die gläserne
"Netzschwimmer" in die Fenster hängten, um ein Zeichen der Verbindung 
mit ihren auf See fahrenden Männern herzustellen. Die Glaskugel galt als 
der Zerstörer jeden bösen Zaubers. Dadurch waren die Glasmacher aller-
seits bewundert und verehrt. Man wähnte den abgelegenen Glashütten ein 
geheimnisvolles Numen, das an Zauberei erinnerte, denn die Färbung des
Glases schien den Fachunkundigen rätselhaft. Die Glasmacher hüteten 
ihre Rezepturen im strengen Sippengeheimnis, das nur durch 
Blutsverwandschaft weitervererbt werden konnte.
Es wurde den Glasern unterstellt, daß sie mit Drogen, Edelsteinpulver, Gold
und "Drachenblut" ihr Glas färbten. "Ich hörte erstmals von einem wackeren
Künstler im Scherz sagen: daß die Glasmacher - Kunst die letzte unter allen
Künsten in der ganzen Welt sein würde; denn saget wann Gott dieses ganze
Weltgebräu durch Gewalt deß Feuers verzehret wird, so wird alles zu Glas
werden." (Merretti 1662).
Quelle: http://www.schwarzwald-tourist-info.de/de/kultur/glas.htm
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