Selbstversorgerhaus
Ev. Freizeithaus Gersbach
Naturpark Südlicher Schwarzwald


AG MINIFOSSI
Arbeitsgemeinschaft Mineralien, Fossilien, Gold, Glas & Fortifikation
- Arbeitsgemeinschaft besonders befähigter Schüler -
Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim
 Gemeinschaftsschule
D- 79650 Schopfheim

 
 
Das Linien- und Schanzen-System Vorderes Wiesental
Die großen Wall-Staffeln am Oberen Rechberg bei Hauingen
Umfangreiche Sicherung eines historischen Passweges
 
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Fotos © Werner Störk 2005
Blick vom Rechberg in Richtung Wiesental: Ein strategisch optimal
ausgesuchter Beobachtungs- und Sicherungspunkt.
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Als im März 2002 die ersten Schanzen und Wälle im Raum Gersbach durch 
die Minifossis untersucht, kartiert, gezeichnet und fotografisch dokumentiert 
wurden, waren lediglich acht dieser historischen Verteidigungsanlagen be-
kannt. Errichtet wurden sie mehrheitlich von einheimischen Schanzbauern im 
Auftrag des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, dem legendären Türken-
louis, der sein Defensivsystem gegen Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV. 
über den gesamten Schwarzwald hin ausdehnte. Doch nur noch im südlichen
Schwarzwald zeigen sich die beeindruckenden Anlagen in dieser Formen-
vielfalt und bieten auch auf Grund des erstaunlich guten Erhaltungszustandes
optimale Forschungsbedingungen.
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Fotos © Werner Störk 2005
Projekt-Team Schanzenjagd mit Christian Bernauer
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Während zu Beginn der Untersuchungen der Gersbacher Raum als wichtiger 
Dreh- und Angelpunkt von zwei großen Verteidigungslinien der zentrale Aus-
gangspunkt war, dehnte sich im Laufe der letzten drei Jahre der Forschungs-
raum bis in Hintere Wiesental und die benachbarten Seitentäler aus. So 
wuchs Monat für Monat die Zahl der wieder entdeckten Schanzen- und Sperr-
wall-Systeme. Dank der engagierten Zusammenarbeit mit  Förstern sowie 
Heimat- und Geschichtsforschern aus dem ganzen Landkreis reihten sich die
Fund-orte bald wie Perlen auf einer Kette aneinander und ergaben so erstmals
und einzigartig im gesamten Land das faszinierendes Gesamtbild einer 300-
jährigen Festungslinie.  
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Fotos © Werner Störk 2005
Die ersten Wallgräben sind erkennbar ...
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Eigentlich wollte man bei den Minifossi das Thema Schanzen im Frühjahr 2005
abschliessen, um nun eine detaillierte Auswertung der unglaublichen Daten-
menge, die man zwischenzeitlich erhoben hat, vorzunehmen: Neben über 300 
Einzelzeichnungen und annähernd 3000 Einzelmeßdaten stehen zusätzlich im 
Internet 8.000 bearbeitete Fotos (http://www.jugendheim-gersbach.de) der bis 
dato 120 erfassten Anlagen - und noch zeichnet sich kein Ende ab: Immer wie-
der treffen konkrete Hinweise auch für den Bereich des Vorderen Wiesentals 
ein und beginnen, auch hier ein wirklich erstaunliches Gesamtbild dieser Ver-
teidigungslinie zu zeichnen.
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Fotos © Werner Störk 2005
Massive Wallstaffeln laufen am Hang entlang.
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So folgte die Minifossis dem Hinweis von Christian Bernauer aus Maulburg, 
der in seiner Funktion als Wege- und Naturschutzwart vom Schwarzwaldver-
ein Maulburg viele Gebiete des Wiesental besonders gut kennt. Ihm fielen die
eigenartigen Grabenstrukturen im Bereich vom oberen Rechberg bei Hau-
ingen auf. Im Rahmen der Projekttage der Friedrich-Ebert-Schule konnte man
nun dieses Zielgebiet gemeinsam untersuchen und wurde auch tatsächlich fün-
dig: Hier oben - strategisch äußerst optimal gewählt - sicherte ein ausgedehnte
Wall- und Grabensystem den historischen Übergang nach Weitenau. 
 
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Fotos © Werner Störk 2005
Gut erkennbare Strukturen mit Kommunikationslinien.
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Auch bei diesen Anlagen stimmen die Merkmale und typische Formen im
Vergleich zu den bislang wiederentdeckten Systemen völlig überein: Aus-
gedehnte Wallschwärme, massive Wallfächer mit einer starken rechtsseitig
geprägten Talschutzfunktion - um die vermeintlich südliche Front eines fran-
zösischen Angriffes abzufangen: Mit rein defensiven Strukturen zur Sicherung
der Passwege, der historisch relevanten Wegenetze, der Furten sowie von 
exponierten Taleinschnitten.
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Fotos © Werner Störk 2005
Mehrere Wallgräben hintereinander als Wallstaffel.
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Da die mündliche Überlieferung erfahrungsgemäß nur runde einhundert Jahre 
lang Wissen sichert, wurde bei den Einheimischen die Anlagen oft als Schüt-
zengräben der Weltkriege oder dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71
zugewiesen. An das Schanzen am Westwall und eine Schützengrabenlinie aus 
dem Zweiten Weltkrieg können sich Zeitzeugen aus Hauingen noch genau zu 
erinnern, ebenso an die aus strategischen Gründen speziell angelegte Verbin-
dungsstraße zwischen dem Wiesen- und dem Kandertal mit Zugang nach Witt-
lingen: Sie wurde angelegt, um die frei  im feindlichen Blickfeld liegende Ver-
kehrsführung über die „Lucke“ zu umgehen. Wertvolle Hinweise in diesem Be-
reich erhielten die Minifossi vom ehemaligen Museumskustos Gerhard Moehring,
dessen Chronik über Hauingen sehr interessante Grundlagen in diesem Bereich
vermittelte.
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Fotos © Werner Störk 2005
Beeindruckende Wallhöhen von bis zu drei Metern.
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Schon jetzt steht fest, dass die Forschungsarbeiten der Minifossi noch 
ein weiteres Jahr fortgesetzt werden müssen, um das gesamte Wiesen-
tal-System zu erfassen und zu archivieren - es wird dann in dieser Form
einzigartig sein und die Einmaligkeit dieses Systems für ganz Baden-
Württemberg dokumentieren. Daher wird die bestehende Kooperation 
mit dem Landesdenkmalamt nochmals intensiviert, um auch hier weiter-
hin fachwissenschaftlich optimal begleitet zu werden. Alle Forschungser-
gebnisse und die inzwischen aufgebaute, sehr umfangreiche Sammlung
münden in eine große Schanzen-Ausstellung, die man voraussichtlich im 
300. Todesjahr des Türkenlouis  in Schopfheim einrichten wird. 
 
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Fotos © Werner Störk 2005
Die neue Forststraße liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit direkt
auf  einem historischen Wallgraben, die beidseitigen Wälle

sind noch gut erkennbar.
 
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