Der geschmiedete Himmel Himmelsscheibe von Nebra
Die älteste bekannte Himmelsdarstellung
Die Forschungsbereiche der AG Minifossi befassen sich nicht nur mit den Barockschanzen -
unsere Fachbereiche beschäftigen sich - zum Teil sogar über Jahrzehnte - sehr intensiv
mit dem Glas und den Glashütten im Schwarzwald, aber auch seit 25 Jahren mit der Er-
forschung und Untersuchung von Goldvorkommen im Schwarzwald und dem Hoch- und
Oberrheingebiet. Eine für Schulen wohl einzigartige Edelmetallsammlung mit besonders
schönen Gold-, Silber- und Platinstufen ist nur eines der sichtbaren Ergebnisse dieser For-
schungsarbeit. Wir bieten mit dieser Seite erstmals auch ein kurzes Streiflicht auf unsere
anderweitigen Aktivitäten an, die parallel zur Schanzenforschung laufen. In Sachen Kelten
ist der Gersbacher Raum noch ein weißer Fleck in der Forschung - da sich hier aber auch
für die Kelten interessante und wichtige Mineralien nachweisen ließen, liegt die Vermutung
nahe, dass auch dieses Gebiet - insbesondere in Rahmen der römischen Besiedlung des
Dinkelberges, die einen erheblichen Siedlungsdruck auf die ansässigen Kelten ausübte und
sie zwang, immer tiefer in die bis dahin unbesiedelten Täler und auf die Bergkuppen der
südlichen Abdachung des Schwarzwaldes auszuweichen - den Kelten als möglichen Rück-
zugsraum diente.
Tausende von staunenden Besuchern wurden in Wien wie auch im Mannheimer Reiss-
Engelhorn-Museum von ihr wie magisch angezogen: Der Himmelsscheibe von Nebra.
Sie ist einer der spektakulärsten archäologischen Funde der Bronzezeit mit der Dar-
stellung von Sonne, Mond und Sternen, ausgeführt mit Goldblechen auf einer Bronze-
scheibe. Es ist die älteste bekannte Himmelsdarstellung, vermutlich auch die älteste
astronomische Sternkarte der Menschheitsgeschichte.Von Schatzsuchern und Raubgräbern im Juli 1999 bei einer heimlichen Grabung in
einer Wallanlage bei Nebra (Sachsen-Anhalt) gefunden, an Hehler verkauft und von
Kriminalbeamten 2002 im Basler Hotel Hilton sichergestellt, gehört diese zwei Kilo-
gramm schwere Bronzescheibe weltweit zu den absoluten archäologischen Raritäten
und wissenschaftlichen Highlights unseres Jahrhunderts.
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Fotos © Werner Störk 2006 Sonderausstellung "Die Himmelsscheibe von Nebra - der geschmiedete Himmel"
in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim.... Untersucht wird dieser einmalige Fund derzeit im Institut für Archäologie in Mannheim,
das gemeinsam mit den Unis von Tübingen und Halle. Die Archäometrie untersucht mit
naturwissenschaftlichen Methoden und Verfahren archäologische Funde und Befunde.
Sie dient der Untersuchung der Herkunft von Rohstoffen, um so Rückschlüsse auf die Echt-
heit archäologischer Fundstücke ziehen zu können. Wesentlich ist dabei auch die inter-
disziplinäre Zusammenarbeit mit Fachbereichen wie der Montanarchäologie, Mineralogie,
Geologie, Bergbaukunde, Biologie und Chemie.Das Ziel des aktuellen Forschungsmoduls: Die geochemische Charakterisierung der
Seifen- und Berggoldvorkommen im regionalen und europäischen Umfeld sowie die
Abschätzung der prähistorischen Höffigkeit (Ausbeute versprechend) der Goldvorkom-
men. So werden derzeit alle Goldvorkommen Mitteleuropas intensiv untersucht, um Ver-
gleichsdaten mit den Goldblechen der Himmelsscheibe von Nebra zu sammeln. Auch
die Goldvorkommen vom Schwarzwald und vor allem vom Rhein - von dem bereits röm-
ische Geschichtsschreiber berichten, dass sie keltische Frauen und Kind beim Waschen
der goldreichen Sande beobachtet hätten.....
Foto © Werner Störk 2006 Schon 25 Jahren mit den Goldgründen des badischen Altrhein bestens vertraut, lag es nahe,
dass auch die AG Minifossi in dieses europaweite Netzwerk mit aufge-nommen wurde. Be-
reits im Herbst 2004 suchte Prof. Dr. Borg von der Uni Halle Kontakt mit den Goldwäschern
und ihrer umfangreichen Gold- und Datenbank. Aus dem Wissenschaftsteam reiste nun extra
von Halle Dip.- Ing. Alexander Schmiderer nach Schopfheim, um gemeinsam mit einem er-
fahrenen Goldwasch-Team im Rhein Gold zu waschen - quasi auf den Spuren der Kelten.
Die in den letzten Jahrzehnten gewonnene Kenntnis der exakten Lage dieser goldführenden
Ablagerungen bescherten - auch für den europaweit agierenden Spezialisten - eine über-
raschend ertragreiche Tagesausbeute. Sie wird nun mit modernsten Untersuchungsmetho-
den im Mannheimer Institut für Archäometrie auf Spurenelemente und Isotopie untersucht -
wobei alle gewonnenen Daten der Minifossi-AG zur Verfügung gestellt werden.Wenn im Herbst die „Himmelsscheibe von Nebra“ als Sonderausstellung vom 29. September
2006 bis zum 29. Januar 2007 im Historischen Museum Basel gastiert, werden unter den Be-
suchern auch die Minifossis sein. Sie werden das Original des „geschmiedeten Himmels“
sicherlich staunend betrachten - mit einem ganz eigenen Bezug und dem Wissen, im Rah-
men eines europaweiten Projektes ganz persönlich an der Erforschung von diesem welt-
weit einzigartigen Fund mitgewirkt zu haben.
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