Blick in die Montangeschichte von Gersbach
Gersbacher Gold & Silber© WS-2001
Auf der Spurensuche der historischen Bergwerke

Der Bergbau im Gersbacher Gebiet blickt auf eine sehr lange Tradition 
zurück. Vor allem der Pyritbergbau: Wann diese Erzvorkommen gefunden
und erstmals abgebaut wurden, ist unbekannt. Flurnamen verweisen auf
alte Schürfe, welche die „Altvorderen“ in der Hoffnung auf silberhaltige 
Erze angelegt hatten.
In Gersbach wurde auch tatsächlich nach Silber und Erz gegraben. Die
ebenfalls hier geförderten Brauneisenerze wurden in Gersbach selbst in 
einem eigens dafür errichteten Hochofen verhüttet. 
Deswegen war der Ort 1680 auch als Standort für die geplante 
Eisenschmelze,die dann in Hausen errichtet wurde, im  Gespräch. 
Der örtliche Schmelzofen wurde jedoch zwei Jahre später stillgelegt. 
Wiederaufgenommen wurde der Betrieb 1720 für etwa 10 Jahre, 
1738 wurde nochmals das Erzgraben gestattet,1759 das Graben 
nach Silbererz.
Im Jahre 1794 wird in einem Bericht erstmals eine 1788 bestehende
Grube südlich von Gersbach erwähnt, „als ein alter Stollen, welcher
die alte Goldgrube genennet wird und theils im Quergestein, theils 
auf Flötzklüften des Granits gegen Norden und Nordwesten 
getrieben ist.“ 

Das verstürzte Stollenmundloch der 
historischen Pyritgrube
Foto © Werner Störk 2001 

Obwohl es in keinem der wichtigen Archive genaue urkundliche 
Goldhinweise zu dieser „Goldgrube“ gibt, geht man auch auf Grund 
der Forschungsergebnisse der AG Minifossi jedoch davon aus, dass
der Goldname hauptsächlich als Hinweis auf den metallisch-goldenen
Glanz des Pyrits zu werten ist und hier vermutlich kein Gold 
bergmännisch abgebaut wurde.

Historische Pyritgrube (S Gersbach)
Legende: Natürliches Hangrelief (gelb),
Stollenmundloch (grün), Halde (rot)
Fotos © Werner Störk 2001 

Im Frühjahr 2002 untersuchten wir im Rahmen unseres neuen landeskundlichen
Projektes: "Schanzen im Gersbacher Raum" auch die von Dr. Piepenbrink
aufgefundene Redoute. Dabei steißen wir auf den südlich davon gelegenen
Haldenbereich. Erste Untersuchungen lassen die Vermutung zu, dass es sich
hier im Bergbauspuren handelt, die im Zusammenhang mit den Gruben
im Heitersspahn-Bereich zu sehen sind.
Fotos © Werner Störk 2002
Eine "Redoute" (kleine Schanze) auf der Höhe 933 (grüner Pfeil) 
und ein vermutetes Bergbaurelikt - verstürztes Mundloch
mit Halde (oranger Pfeil) in Blickrichtung E über das 
Wehratal und zum Hotzenwald

 
Fotos © Werner Störk 2002
Vermutetes Bergbaurelikt unterhalb der Höhe 933
(im geologischen Streichen zu den 
Bergbauspuren "Goldene Grube")
Legende: 
Rot   = Verstürztes Mundloch
Gelb = Künstliches Haldenniveau
Grün = Natürliches Handrelief

 
Foto © Werner Störk 2002
Auffallend große  Kluftlinien-Blöcke
im angenommenen Haldenbereich
Das Gerücht, wonach in Gersbach Silber zu finden sei, führte
zeitweise zu einer wilden Raubgräberei, was die Behörden  zum 
Eingreifen zwang.  Die sog. „Silberlöcher“ - hoch über dem 
Wehratal - und vielen Kleinschürfe zeugen noch von der damaligen
Zeit. 

Das verstürzte Stollenmundloch 
vom östlichen Silberloch
Foto © Werner Störk 2001 

Aus den teils ergiebigen Schwefelkiesgruben Gersbachs wurde
der gewonnene Pyrit nach Todtmoos-Au gebracht und dort daraus 
Eisen- und Kupfervitriol, Schwefelsäure und Alaun (ein Beizmittel),
hergestellt. 
Auch die verschiedenen Vitriole wurden als Beizmittel in der 
Tuchfärberei, zur Tintenherstellung oder zum schwärzen von 
Leder verwendet. Ebenso in der Tierheilkunde, der Bekämpfung
von Unkraut und zur Desinfektion von Fäkalien fand es Anwendung.
Schwefelkies wurde noch 1788  gefördert,  woraufhin sich eine 
sog. »Vitriol-Gesellschaft« bildete, die  seit 1796 einen neu 
entdeckten Schwefelkiesgang auszubeuten begann, 1797 eine
Vitriolhütte errichtete und seitdem betrieb.  Bereits ein Jahr später
häuften sich die Beschwerden über die dadurch verursachten 
Waldschäden. Dennoch hat die Gesellschaft noch 1820 die
Vitriolfabriken des oberen Wiesentals beliefert.
Die Geschichte des Gersbacher Bergbaues ist gekennzeichnet
durch ein ständiges Auf und Ab und gerät  nach dem Jahr  1881 
in Vergessenheit. Von den alten Gruben und Bergbauversuchen 
auf Pyrit- und Kupferkies-Führungen bei Gersbach ist im Gelände 
nur noch wenig zu erkennen. Viele Stollen sind verstürzt, viele Pingen
und Haldenstrukturen eingeebnet. 
Während man bislang mehrheitlich davon ausging, dass in 
Gersbach erst ab im 17. Jahrhundert Eisenerze gewonnen wurde, 
legen neue Forschungsergebnisse die Vermutung nahe, dass – 
wie auch die Gersbacher Glashütten – der Gersbacher Bergbau
wesentlich ältere Wurzeln hat. 
Im Rahmen eines inzwischen 5-jährigen Projektes suchten Schülerinnen 
und Schüler der Arbeitsgemeinschaft Minifossi (Friedrich-Ebert-Schule 
Schopfheim) erfolgreich die alten Spuren des historischen Gersbacher 
Bergbaues aufzufrischen und konnten so 1995 im Einzugsgebiet des 
Heiterspahn-Taleinschnittes  erstmals Gold nachweisen.
Das Wissen um die alten Stollen des abgegangenen Bergbaus in 
und um Gersbach bildete die Grundlage für die ersten Untersuchungen
und Auswahl der Goldwaschstandorte. Die Gewinnung von 
ausreichendem Waschmaterial war nicht einfach, aber die Erfahrtung 
aus  bereits schon über 12 Jahren Goldwäschertätigkeit trug auch
hier ihre Früchte.

Prospektion am Schüsselbächle
Foto © Archiv AG Minifossi 1998



 
Der entscheidende Impuls, in Gersbach nach Gold zu suchen, 
ergab die Analyse der Sedimentproben aus der Hasler 
Erdmannshöhle, in der die Schüler - unterstützt durch die 
"Arbeitsgemeinschaft Dinkelberger Karst" - Waschproben 
gezogen haben. Hier fanden sie Arsenopyrit, ein sogenanntes
„Pfadfinder-Element“ für Gold.

Übersichtskarte mit Jugendheim (rot)

Kartenlegende: 

Hinweise auf Köhlerplatten (schwarz)
Hinweise auf Glashütten (grün)
Hinweise auf Bergbau (blau)


Jedoch nicht nur der Arsenopyrit, sondern auch der Pyrit (auch 
Schwefelkies genannt) ist ein solches „Pfadfinderelement“ und 
bildet als geologischer "Hans-Dampf-in-allen-Gassen" die 
Grundlage für eine natürliche Goldanreicherung: High-Tech in 
der Natur mit Hilfe natürlicher galvanischen Mikrozellen. 

Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme (REM) © Dr. Rudolf Pock (Brig, Schweiz)
Goldpartikel aus dem Heiterspahnbach
 Vergrösserung 582

 Au (Gold) 76,2 Atom-Gewicht in %   Ag (Silber) 22,5 Atom-%   Cu 1,3 Atom-% (Kupfer)
Archiv-Nr. R-302-23-12, Erstnachweis
 Fund & Sammlung: AG MInifossi, Friedrich-Ebert-Schule, Schopfheim
Bei dem geborgenen Partikel handelt es sich um Berggold, 
staubfein - wie alle bislang von Minifossi gemachten 
Goldnachweise im Südschwarzwald. Auf Grund der chemischen
Analaysewerte spricht man bei diesem Gold von Elektrum, also
einem silberreichen Gold: Mit über 22 % Silber und einem 
Goldanteil von 76 Prozent .
Nachdem so bereits im Sommer 1995 der Erstnachweis für
Gold im südlichgelegenen Taleinschnitt des Heiterspahn gelang,
stieß 1997/98 die AG Minifossi nun im Rahmen ihrer Untersuchung 
historischer Glashütten und Wuhranlagen auch im nördlichen Bereich
des Gersbacher Waldes mehrfach auf Gold.

Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme © Dr. Rudolf Pock (Brig, Schweiz)

"Goldhaut"-Überzug auf Kaliumfeldspat mit Ilmentit 
(NO Gersbach)
Au 63,2  Ag 29,5 Cu 3,5, Bildbreite: 0,27 mm
Archiv-Nr. R-512-1-E-4, Erstnachweis 
Fund & Sammlung: AG MInifossi, Friedrich-Ebert-Schule, Schopfheim
Rätselhaft sind bislang die Quecksilberspuren, die an 
den Goldpartikeln festgestellt wurden. Haben schon in 
früher Zeit Menschen die Goldführung dieses Baches 
erkannt? Waren es vielleicht die mittelalterlichen Glaser, 
die beim Suchen geeigneter Rohstoffe wie Quarz, Mangan 
und Kobalt das Gold erkannten und mit Hilfe von Quecksilber-
Amalgamierung gewannen? Oder stellten sie vielleicht sogar
aus Quarz und Gold das kostbarste Glas, das Rubinglas, her? 
Weitere Untersuchungen werden dies abklären.

Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme © Dr. Rudolf Pock (Brig, Schweiz)
Kompakter Goldpartikel (NO Gersbach)
Bildbreite: 0,21 mm, Au  95,4   Ag 0,6   Cu 2,1 
Archiv-Nr. R-508-1-B-1, Erstnachweis 
Fund & Sammlung: AG MInifossi, Friedrich-Ebert-Schule, Schopfheim


Mit einer Überraschung können die Minifossis gleich zu Beginn
des neuen Schuljahres 1998/99 aufwarten: Im Rahmen ihrer 
umfangreichen Untersuchungen im Raum Gersbach konnten 
sie nun erstmals einen völlig erhaltenen Goldkristall nachweisen. 
Die Wahrscheinlichkeit, bei der Prospektion in Bächen kristallines
Gold zu finden, ist denkbar gering. Um so mehr freute sich die 
Schüler-AG der Friedrich-Ebert-Schule über ihren seltenen und
bislang einzigartigen Fund im Südschwarzwald - auch wenn er
mit seinen 0,13 mm nur unter dem Mikroskop seine ganze
Formenästhetik zeigt 

Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme © Dr. Rudolf Pock (Brig, Schweiz)

Silberhaltiger Goldkristall (NO Gersbach)
Bildbreite 0,13 mm, Au 68,2  Ag 30,1, Cu 1, 
Archiv-Nr. R-9-210.98-8, Erstnachweis 
Fund & Sammlung: AG MInifossi, Friedrich-Ebert-Schule, Schopfheim
Obwohl Gold zu den wirklich raren Elementen des Schwarzwaldes
gehört, haben die Schüler bislang mit viel Ausdauer stets Erfolg 
im Nachweisen von Goldspuren gehabt. Dabei sind sie hauptsächlich
auf sogenanntes „Seifengold“ gestossen. Dieses Gold ist von seiner 
ursprünglichen Lagerstätte, wo es an das Muttergestein gebunden war,
durch Wasser, Eis oder Wind an seine zweite Lagerstätte - dem 
jetzigen  Fundort -  transportiert worden. Da Gold sehr duktil, also 
weich ist, verliert es auf dem Transport sehr schnell seine kantige 
Kristallstruktur und wird zu kleinen, überwiegend rundlich-flachen
Goldplättchen umgeformt. Solche Goldflitterchen konnten die Schüler
in 30 Bächen und Flüssen des Südschwarzwaldes nachweisen.

Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme © Dr. Rudolf Pock (Brig, Schweiz)

Kompaktes Seifengold-Flitterchen aus dem Erzenbrunn
Bildbreite: 0,27 mm, Au 98,3  Ag 0,6  Cu 1,1,  Erstnachweis
Archiv-Nr. R-13-206.98-7A
Fund & Sammlung: AG MInifossi, Friedrich-Ebert-Schule, Schopfheim
Neben der kristallinen Form ist der Goldfund in Gersbach aber 
auch deshalb so wertvoll, da er alte Fundberichte - die bislang
immer wieder angezweifelt wurden - überzeugend bestätigt. 
Dies gilt auch für den relativ hohen Silbergehalt des Goldpartikels, 
der rund 25 Prozent beträgt. Damit erhält diese Goldvarietät den 
Fachbegriff Elektrum (siehe oben). Auf der Oberfläche des Kristalls
sind winzige Aggregate, die einen noch höheren Silbergehalt 
(bis 32 Prozent) aufweisen. Zusammen mit den bereits schon
abgeschlossenen Untersuchungen der bekannten historischen
Silberlöcher“ kann nun davon ausgegangen werden, dass es in 
der Vergangenheit auf Gersbacher Gebiet vermutlich doch 
ernsthafte Versuche gegeben hat, neben dem Pyrit (Schwefelkies) 
auch Silber bergmännisch zu gewinnen. Mit drei Prozent Kupfergehalt
weist der Goldpartikel auf ein weiteres typisches Gersbacher 
Mineralvorkommen.
Dies bestätigt auch ein neuer Goldnachweis auf Gersbacher Boden: 
So wurde der "Erzenbrunn" nicht ohne Grund so benannt:. Neben den
bekannten Gersbacher Erzmineralien führt er auch Gold - in winzigen, 
aber erstaunlich kompakten Goldpartikeln.

Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme © Dr. Rudolf Pock (Brig, Schweiz)
Seifengold-Flitterchen aus dem Gersbacher Erzenbrunn
Bildbreite: 0,15 mm, Au 97,8   Ag 0,7   Cu 0,7, Erstnachweis 
Archiv-Nr. R-509-1-D-B-3
Fund & Sammlung: AG MInifossi, Friedrich-Ebert-Schule, Schopfheim


Erwartungsgemäss kein Gold, dafür aber um so mehr kleinste
glasartige Kügelchen fanden die Schüler in dem Schwerekonzentrat,
das sie im Mühlenbach in der Höhe des Skiliftgebäudes anreicherten:
Eindeutiger Beleg für das - wenn auch nur kurzfristige - Vorhandensein 
der historischen Schmelzhütte. Diese winzigen, metallisch 
schwarzglänzenden Kugelformen entstehen beim Verhüttungsprozess 
und werden mit dem Luftzug und Rauch durch die Esse ins Freie 
mitgerissen. Dort lagern sie sich auf Grund ihrer spezifischen Dichte 
immer in unmittelbare Nähe auf dem Boden ab. 
Ähnliche Kugelstrukturen kennt man nur noch von Vulkanausbrüchen 
und kosmischen Mikrometeoriten. Vergleichbare Untersuchungen 
haben die Minifossis bereits im Kleinen Wiesental bei Bürchau 
erfolgreich durchgeführt, wo man so auch den historischen 
Standort einer Erzschmelze eindeutig eingrenzen konnte.

Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme © Dr. Rudolf Pock (Brig, Schweiz)
Kompakter Goldpartikel (NO-Gersbach)
Bildbreite: 0,15 mm, Au 86,6   Ag 9,8  Cu 1,5, Erstnachweis
Archiv-Nr. R-511-3-C-A-7

Fund & Sammlung: AG MInifossi, Friedrich-Ebert-Schule, Schopfheim
Mit diesen vielfältigen Ergebnisse werden nun die umfangreichen
montanhistorischen Prospektionsarbeiten der Minifossis im 
Gersbacher Raum erstmals abgeschlossen - wogegen die 
Forschungsarbeiten an den Glashüttenwüstungen bis heute noch 
weiterlaufen.

Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme © Dr. Rudolf Pock (Brig, Schweiz)
Kompakter Mikro-Goldnugget "Lupo"
Bildbreite: 0,32 mm, Au 92,5  Ag 1,6  Cu 0,6, Erstnachweis, 
Archiv-Nr. R-519-14-1 

Fund & Sammlung: AG MInifossi, Friedrich-Ebert-Schule, Schopfheim 
Quellen
Der Landkreis Lörrach, Band II, Seite 527 ff, Jan Thorbecke Verlag 
Sigmaringen, 1994
Forschungsberichte der AG Minifossi aus den Jahren 1995 - 2001
METZ, RUDOLF (1980): Geologische Landeskunde des Hotzenwaldes
mit Exkursionen, besonders in dessen alten Bergbaugebieten. 
542 Seiten. Lahr.
METZ, RUDOLF (1988): Gewinnung von Bodenrohstoffen  im Schwarzwald. 
Historischer Atlas von Baden-Württemberg Beiwort zur Karte XI. 10 (Ergänzungsblatt).


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