| Gersbach |
| Siedlung und
Gemarkung |
"Der an der Südseite des Berg- und
Rohrenkopfs gelegene
Ort verdankt seinen Namen dem ihn durchfließenden
Gersbach, der kurz vor der Gemarkungs-
und Kreisgrenze
in die Wehra mündet. Auf der
ausgedehnten Gemarkung
Liegen sieben zum Teil alte Höfe
und Weiler. |
Obwohl keine vorgeschichtlichen Funde
von der Gemarkung
bekannt sind, scheint doch der Flurname
Hochstraß darauf
hinzuweisen, daß die zu Gersbach
gehörige Flur im Mittelalter,
vielleicht auch schon früher begangen
worden ist. |
Die Abgrenzung zu den benachbarten Orten,
vor allem zu
Wehr und zur Herrschaft Zell, hat immer
wieder zu
Streitigkeiten geführt. Eine
Grenzberichtigung mit Zell
und Raitbach erfolgte 1720/21, die Neufestsetzung
der
Grenze nach Hasel und Wehr 1733, nach
Schwarzenbach 1780. |
Erstmals 1166 als Gerisbac
urkundlich nachzuweisen, dürfte
das Dorf eine hochmittelalterliche Rodungssiedlung
darstellen,
die vermutlich von Wehr aus angelegt wurde.
Die Straße nach
Wehr scheint lange Zeit die wichtigste
Verbindung gewesen zu
sein: 1592 wird sie, im Gegensatz zur
Jakobs-»Gasse« nach
Schopfheim, als Straße bezeichnet. |
Über die Größe des Dorfes
in früherer Zeit ist wenig bekannt
(um die Mitte des 19. Jh. wurden 90 Häuser
gezählt). Da 1769
Allmendplätze überbaut wurden,
ist anzunehmen, daß damals
eine gewisse Erweiterung erfolgt ist.
Die Häuser trugen teils
Stroh-, teils Schindeldächer, was
die nicht seltenen Brände
begünstigte. Diese forderten
in der Regel auch Menschenleben,
so 1741 der Brand der Mühle, 1768
der Blitzschlag in ein
Wohnhaus und vor allem die Brandkatastrophe
vom 19./20. Mai
1784, bei welcher ein Drittel des Dorfes
eingeäschert wurde. |
Im 18.Jh. hatte noch jedes Haus seinen
eigenen Brunnen, der vor
allem zum Tränken des Viehs benötigt
wurde, da die Winter sehr
hart und schneereich auszufallen pflegten. |
| Herrschaft und
Staat |
Für eine frühere Zugehörigkeit
zur Herrschaft Wehr sprechen
verschiedene Indizien. Neben der
Mähnegenossenschaft sind
dies vor allem die Rechtsverhältnisse
des 14.Jahrhunderts.
Damals teilten sich die Markgrafen von
Hachberg mit dem Hause
Habsburg in das örtliche Niedergericht,
wohl als Erben der Herren
von Wehr. Wann dieses ganz an den
Markgrafen gekommen ist,
bleibt unklar, noch 1407 ließ der
österreichische Landvogt durch
die Stadt Rheinfelden deswegen Kundschaften
erheben. Die
Aussagen ergaben jedoch, daß damals
hohe und niedere
Gerichtsbarkeit beim Markgrafen lagen. |
In der Mitte des 14. Jh. war Gersbach
zusammen mit Schweigmatt
an Petermann von Roggenbach erpfändet
gewesen und 1365
durch Rudolf von Schönau ausgelöst
worden. Dessen
Schwiegertochter und Enkel verkauften
das Dorf zusammen
mit der Herrschaft Neuenstein 1400 an
den Markgrafen Rudolf.
Dieser ließ seine Einkünfte
über seine Schopfheimer Schaffnei
einziehen, wozu das Dorf dem dortigen
Amt unterstellt wurde,
dem es spätestens 1473 angehörte.
Daß Gersbach, im
Gegensatz zu anderen, später Schopfheim
unterstellten Orten,
eine eigene Verwaltung behalten konnte,
hat seine Ursache wohl
in den damals vor allem im Winter ungünstigen
Verkehrsverhältnissen.
Allerdings unterhielt die Forstverwaltung
Rötteln im 18. Jh. vor Ort
einen Förster. |
| Grundherrschaft
und Grundbesitz |
Der örtliche Grundbesitz scheint
weitgehend der Ortsherrschaft,
den Herren von Wehr und von Klingen,gehört
zu haben, soweit
nicht bäuerliches Eigen vorhanden
war. Von diesen Herren und
ihren Erben gelangen Güter im 12.
Jh. an Kloster St. Blasien und
1257 an Kl. Klingental. Während
die St. Blasischen Einkünfte,
darunter auch solche von der Mühle,
bis zum Beginn des 19.Jh.
bezogen wurden, ist von den Klingentaler
Besitzungen später
nichts mehr zu erfahren. |
Auch die markgräfliche Herrschaft
verfügte über Besitzungen,
die sie im 16. und 17.Jh. an die Familie
Höcklin von Steinegg
verliehen hatte. Die ausgedehnten
Waldungen - der Gersbacher
Forst umfaßte 1806 7281/2
ha - unterstanden seit dem 16.Jh.
dem Forstamt in Kandern und wurden durch
einen örtlichen
Förster verwaltet. |
Walter von Klingen schenkte 1260 den Wald
bei Todtmoos
der Deutschordenskommende Beuggen und
dem Konstanzer
Hochstift, um dort eine Kirche zu errichten.
Wenig später
erscheint diese Kirche mit ihrem Zubehör
als habsburgisches
Eigentum. Einen Teil dieses Waldes
rodeten Bauern aus
Gersbach, die damit zu Rodungsfreien wurden
und die
bearbeiteten Stücke als ihr Eigentum
betrachten konnten. |
Dieses Waldstück wurde später
aufgeteilt: die 20 sog.
Mähnebauern (nach Männi = Zug)
erhieltenje 90 Mg,
gemeinsam blieben 3200 Mg Wald und 1800
Mg Bergfeld.
Von dem noch verbleibenden Genossenschaftswald
wurden,
um die Streitigkeiten mit den Taglöhnern
zu beenden, Mitte
des 19.Jh. 14233/4 Mg an die Gemeinde
abgetreten, die
dafür Belastungen in Form von Gabholz
und Besoldungsholz
übernahm; 1876 Mg blieben genossenschaftlich. |
| Gemeinde |
Die Verwaltung der Gemeinde besorgte der
Vogt (1591),
unterstützt von mehreren (1693: 2)
Geschworenen oder
Richtern (1757: 3). Seit 1733 ist
auch ein Stabhalter
nachzuweisen. Vogt und Weldgesell
(1700 erwähnt)
waren von allen Fronleistungen befreit.
Zur Beinutzung
des Vogtes gehörte das herrschaftliche
Fischwasser,
das er im 18. Jh. als Afterlehen weiterverliehen
hatte. |
Die Allmende wird 1592 erwähnt, das
Gersbacher Gemeindegut
im faulen Mattpach 1691, das die Gemeinde
damals um 18 J.
Reutfeld erweiterte. Ihre Wälder
hatte sie jedoch schon 1587
gegen Abgabe von Bau- und Brennholz der
Herrschaft überlassen.
Es ist zwar später immer wieder vom
Waldbesitz der Gemeinde
die Rede, dabei dürfte es sich vor
dem 19.Jh. aber durchweg
um den Besitz der Mähnegenossenschaft
gehandelt haben. |
Wegen der Weiderechte und etlicher Güter
erhoben sich um
1691 Streitigkeiten mit Schlechtbach,
die trotz eines Vergleichs
von 1693 noch 1703 nicht endgültig
beigelegt waren. Es
handelte sich um ein Stück Reutfeld,
das die Herrschaft als
eigen angesehen und an die Gemeinde Gersbach
verkauft hatte,
obwohl es Bauern gehörte. Der Vergleich
regelte den
Schadenersatz und verbot, Gersbacher Vieh
auf die Schlechtbacher
Güter zu treiben. Insgesamt scheint
die Gemeinde seit dem 18. Jh.
trotz Kriegszeiten und verschiedener Schadensfälle
hinsichtlich ihrer
Vermögensverhältnisse nicht
allzu schlecht dagestanden zu sein,
wie die Anschaffung einer Feuerspritze
1769 und der Schulhausbau
zeigen. |
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| Kirche und Schule |
Die Kirche samt ihrem Zubehör schenkte
Konrad von Hoßkirch,
wohl ein Nachfahre der Herren von Wehr,
1166 dem Kloster
St. Blasien. Bischöfliche und
päpstliche Besitzbestätigungen
für dieses Kloster von 1166, 1173
und 1189 weisen auf nicht
ungestörten Besitz dieser Rechte
hin, die das Kloster aber
bis zur Reformation behaupten konnte.
Möglicherweise ist
auch eine Inkorporation erfolgt, da1482
ein »vlcarius perpetuus«
und 1488 ein St. Blasischer Mönch
die Kirche versahen.
Diese war spätestens 1258 eine Pfarrkirche
und dem Dekanat
Wiesental unterstellt. |
Ihre Einkünfte werden 1275 mit 22
lb angegeben. Die Annaten
des 15. Jh. lagen jedoch zwischen 6 und
8 Gulden. Auch
diese Verhältnisse sprechen für
eine Inkorporation, in jedem
Fall gehörte die Pfarrei im 15.Jh.
bereits zu den ärmeren im
Dekanat. |
Nach Einführung der Reformation unterstellte
die Regierung
Gersbach, um Ärger mit St. Blasien
zuvorzukommen, dem
benachbarten Hasel. Dessen Filial
blieb der Ort, trotz wenigstens
eines Versuchs, wieder selbständig
zu werden (1689), bis 1742.
Der Gottesdienst wurde zunächst wechselweise
an beiden Orten
abgehalten, wobei der Pfarrhausbeständer
in Gersbach den Pfarrer
verköstigen und dessen Pferd füttern
mußte. Zu Beginn des 18. Jh.
hatte die Kirchengemeinde dann einen eigenen
Diakon. |
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Die evangelische
Kirche Gersbach im Jahre 2001
Foto
© Werner Störk 2001 |
Als Gersbach 1742 wieder einen eigenen
Pfarrer erhielt, übernahm
dessen Besoldung die Geistliche Verwaltung
Rötteln. Sie betrug
zunächst insgesamt 212 fl, worin
die Beinutzung von ca. 31/2
Liegenschaften, der Kleinzehnt und ein
Teil des Blutzehnten
eingerechnet war und wurde im Laufe des
Jahrhunderts immer
wieder erhöht. Ein Pfarrhaus
wurde 1745 erbaut, 1768 erfolgte
der Neubau der Kirche, für welche
die Gemeinde 1731 Ornate
angeschafft hatte. Kirche und Pfarrhaus
wurden beim großen
Brand vom Mal 1784 so sehr beschädigt,
daß man sich für einen
Neubau der Kirche entschied. Die
Geistliche Verwaltung erwarb
1788 ein Bauernhaus, das sie zu einem
Pfarrhaus umbauen ließ. |
Die Zehnten müßten eigentlich
St. Blasien gehört haben, tatsächlich
bezog sie spätestens im 18. Jh. die
Herrschaft Rötteln. Einen Teil
des kleinen Zehnten hatte sie der Gemeinde
verliehen, die seit 1747
Geld dafür gab. Über die Summe
wurde 1749 ein Vergleich erzielt.
Seit wenigstens 1683 wurde am Ort Schule
gehalten. Der Lehrer
bezog sein Gehalt von der Geistlichen
Verwaltung, Schulgeld,
1770 50 fl, und eine Gebühr für
das Halten der Sonntagsschule
(2 fl) gab die Gemeinde, die 1782/83,
nach dem Verbot des
Scheiterholztragens, auch jährlich
8 Klafter Holz zur Heizung
der Schule bereitstellte. Ferner
wurden dem Lehrer die
Sigristeneinkünfte überlassen,
112 V Roggen jährlich von jeder
Ehe und 3 Becher von Witwen und Witwern.
Im übrigen war er
von allen Fronen befreit. Seit 1771
hatte der jeweilige Lehrer einen
Provisor. |
Als 1766 die Schlechtbacher Kinder der
Gersbacher Schule zugeteilt
wurden, erhielt die Gemeinde die Auflage,
ein neues Schulhaus zu
bauen, da das alte, neben dem Friedhof
gelegene Haus den
Anforderungen nicht mehr entsprach.
Der 1771 geplante Neubau
war 1775 fertiggestellt, das alte Schulhäuslein
konnte 1783 verkauft
werden. Leider wurde der Neubau dann ebenfalls
ein Opfer des
Brandes von 1784. |
| Bevölkerung
und Wirtschaft |
Das im 18. Jh. verschiedentlich gerühmte
rauhe, aber gesunde
Klima scheint dafür gesorgt zu haben,
daß Gersbach verhältnismäßig
bevölkert war. Um 1700 zählte
der Ort 66 waffenfähige Männer,
1770 wohnten hier 88 Ehen und 16 Witwer
und Witwen, was auf
eine Einwohnerzahl zwischen 450 und 500
schließen läßt. Im 13.
und 14. Jh. finden sich gelegentlich in
Basel Leute, die sich nach
Gersbach nannten. |
Im 18.Jh. wanderten verschiedentlich Leute
nach Siebenbürgen
aus. Ursprünglich bildeten wohl die
Mähnebauern die gesamte
Einwohnerschaft des Ortes. Diese
besaßen gemeinsam den Wald,
wobei der einzelne eine festgelegte Nutznießung,
aber keinen
Anspruch auf bestimmte Distrikte hatte.
Holz bildete die
Haupterwerbsquelle der Einwohner. Mit
zunehmender Bevölkerung
ergaben sich Probleme im Zusammenleben
mit den nicht zu dieser
Gruppe gehörigen Bauern. |
In einem 1570 erzielten Vergleich wurden
den nicht
mähneberechtigten Bauern jährlich
4 Klafter Brennholz und
1 Sägtanne aus dem Genossenschaftswald
zugesprochen,
außerdem durften sie 1112 V Brachfeld
auf 4 Jahre nutzen
und so viel Vieh in den Mähnewald
treiben, wie sie
überwintern konnten. Der nächste
große Streit begann
um 1786. Inzwischen war auch die
Zahl der Taglöhner
angewachsen und diese stellten zunächst
die Forderung
nach einer eigenen Sägmühle,
die abgewiesen wurde,
da die Gemeinde ihnen keinen Platz im
Mähnewald
anweisen wollte. |
Die nächste Forderung zielte auf
Gleichstellung mit den Bauern:
die Taglöhner forderten eine jährliche
Sägtanne. Seit mindestens
1791 lief in dieser Sache ein Prozeß
vor dem Reichskammergericht,
Der noch 1806 nicht entschieden war.
Damals lebten in Gersbach
31 Taglöhner. Endgültig
scheint diese Angelegenheit erst 1881
bereinigt worden zu sein. Ackerbau wurde
zwar betrieben,
angesichts der Höhenlage des Ortes,
des rauhen Klimas und
der groben »Sandböden«
(körnige Lehmböden) jedoch mit
wenig Erfolg. Zwar förderte
die Regierung im 17. und 18. Jh.
die Urbarmachung von Ödland durch
Befreiung von Schatzung
und Zehnten, jedoch konnte davon wenig
Gebrauch gemacht
werden. |
Wie 1771 berichtet wird, reichte der Ertrag
in guten Jahren gerade
aus, um zwei Drittel der Einwohner zu
ernähren. Die Äcker lagen
meist in Hofnähe, alle 12 bis 14
Jahre pflügte man das Bergfeld
um und säte Frucht an. Angebaut
wurden Sommerroggen, Dinkel,
Gerste, Hafer und viel Kartoffeln daneben
etwas Flachs, Hanf und
Rüben. Versuche mit Winterkorn
und Weizen waren bald wieder
aufgegeben worden. |
Es gab fast keine Obstbäume, natürlich
auch keinen Weinbau,
wenn man mit letzterem offenbar auch im
16.Jh. noch Versuche
gemacht hatte (1591 werden Rebstecken
erwähnt). |
Besser stand es um die Viehhaltung.
Es gab genug Wiesen, die
bei zahlreichen Quellen auch ausreichend
gewässert wurden.
Weidemöglichkeiten boten auch die
abgeernteten Felder und
der Wald. ereits im 14. Jh. muß
die Schweinezucht beträchtlich
gewesen sein, da unter den Abgaben Schweineschultern
aufgeführt werden. Im 18. Jh. lag
der Schwerpunkt auf der
Rinderzucht. Gemästet wurde nicht,
vom Frühjahr an wurde
den ganzen Sommer hindurch Handel getrieben.
Es wurden
auch Pferde gehalten, 1700 werden 28 neben
66 Zugochsen
aufgeführt. |
Zugvieh wurde benötigt für den
wichtigsten Wirtschaftszweig,
den Handel mit Holz und Holzerzeugnissen.
Die
Mähnegenossenschaft unterhielt im
18. Jh. 3 Sägemühlen, in
denen das zum Bau und Unterhalt herrschaftlicher
Gebäude
und sonstiger Anlagen wie Brücken
usw. benötigte Holz
bearbeitet wurde. Große Mengen
Stammholz wurden verkauft,
überwiegend nach Basel und schließlich
wurde ein Teil verkohlt
und ins Eisenwerk Hausen geliefert. Offenbar
nicht nur
dorthin (auch das Eisenwerk in Wehr benötigte
Holzkohle),
denn 1764 wurden Strafen wegen verbotener
Kohleausfuhr
verhängt. |
Das Handwerk war im Ort nie stark vertreten.
Ein Zeugmacher
wird 1734/39 genannt, 1784 werden 2 Weber,
2 Schmiede, je
ein Zimmermann, Schneider und Schuster
aufgeführt, wohl
meist Hintersassen oder Taglöhner.
Sieben Haushalte leisteten
1760 Heimarbeit für die Schopfheimer
Bleiche-Compagnie.
Neben den verschiedenen Sägmühlen
- die des Markgrafen
war 1608 als Erblehen vergeben, die Mähnebauern
betrieben
im 18. Jh. drei - besaß der Ort
auch eine Mahlmühle. Sie
wird 1514/15 erwähnt, gehörte
1592 zu den St. Blasischen
Hofgütern und bekam bis zum 18. Jh.
Konkurrenz durch einen
zweiten Betrieb. |
Eine der beiden erhielt 1734/39 eine Handwalke,
sie brannte 1741
ab, wobei Frau und Kinder des Müllers
ums Leben kamen. Nach
ihrem Wiederaufbau kam wenig später
ein zweites Unternehmen
hinzu. Beide bestanden bis ins 20.
Jahrhundert: die Dorfmühle wurde
1930 abgebrochen, die Lochmühle in
den 1960er Jahren umgebaut. |
| Bergbau |
In Gersbach wurde nach Silber
und
Erz gegraben. Deswegen
war der Ort 1680 auch als Standort für
die geplante Eisenschmelze,
die dann in Hausen errichtet wurde, im
Gespräch. Der örtliche
Schmelzofen wurde jedoch zwei Jahre später
stillgelegt.
Wiederaufgenommen wurde der Betrieb 1720
für etwa 10 Jahre,
1738 wurde nochmals das Erzgraben gestattet,
1759 das Graben
nach Silbererz. |
Das Gerücht, wonach in Gersbach Silber
zu finden sei, führte
zeitweise zu einer wilden Raubgräberei,
was die Behörden zum
Eingreifen zwang. Schwefelkies
wurde noch 1788 befördert,
woraufhin sich eine »Vitriol-Gesellschaft«
bildete, die seit 1796
einen neu entdeckten Schwefelkiesgang
auszubeuten begann,
1797 eine Vitriolhütte errichtete
und seitdem betrieb. Bereits ein
Jahr später häuften sich die
Beschwerden über die dadurch
verursachten Waldschäden. Dennoch
hat die Gesellschaft noch
1820 die Vitriolfabriken des oberen Wiesentals
beliefert. |
Die Flurnamen Glasmatt und Glaserberg
könnten auf eine
abgegangene Glashütte
hinweisen. |
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| Fetzenbach |
An dem Bach, der 1267 als Vetzbach urkundlich
erwähnt wird,
siedelten wohl erst im 18. Jh. einige
Gersbacher. Das Dörflein
bestand 1760 aus 5 Höfen und unterstand
in allen Angelegenheiten
Gersbach, mit dem Schule, Kirche und Friedhof
gemeinsam waren. |
| Mettlenhof |
Besitz in Mettelon erwarb Kl. Klingental
1257 mit Zustimmung
des Lehensherrn von Klingen von den damaligen
Besitzern von
Eschenz und von Tottikon. Noch 1626
war der Hof
Lehen und wurde zusammen mit Wehr verliehen.
Er wurde
im 18.Jh. durch einen Stabhalter verwaltet,
den zwei weitere
Personen unterstützten. Das
Hofgut (37 ha) wurde 1929
endgültig nach Gersbach umgemeindet. |
| Neuhaus |
Die Herberg oder Haus, das Neuhauß
genannt, erscheint
1574/79 als markgräfliches Erblehen.
Um die Mitte des
19. Jh. bestand die Siedlung aus 2 Häusern
mit 18 Einwohnern. |
| Schlechtbach |
Das 1924 nach Gersbach eingemeindete Dorf
wird 1301/08
erstmals in der Form Slehtlob
urkundlich
erwähnt; der Name
Slechbach läßt sich erstmals
1350 nachweisen. Markgraf
Rudolf von Hachberg erwarb es 1400, zusammen
mit
anderen Orten der Herrschaft Neuenstein
von der Familie
von Schönau und teilte es der Vogtei
Raitbach
zu, der es
seit spätestens 1564 angehörte.
Der Grundbesitz gehörte
überwiegend dem Kloster St. Blasien,
die markgräflichen
Einkünfte bezogen die Familie Höcklin
von Steinegg und
ihre Rechtsnachfolger. |
Die Einwohner, 1592 die Bewohnerzweier
Höfe, 1766
4 Bürger, von denen 1741 einer die
Konzession für eine
Mühle erhalten hatte, waren nach
Raitbach eingepfarrt. |
Erst 1766 wurden sie auf ihre Bitten hin
Kirche und Schule
Gersbach zugeteilt. Ihren Lebensunterhalt
bezogen die Bewohner
teilweise aus dem Ackerbau, größtenteils
aus der Viehhaltung. Ein
Gesuch, die gemeinsamen Bergfelder teilen
zu dürfen, wurde 1773
abgeschlagen. Der Flurname Mühlhalde
von 1592 läßt Rückschlüsse
auf eine Mühle zu, von der aber fraglich
ist, ob sie durchgängig
bestanden hat. 1757 gab es jedenfalls
eine, der Besitzer versah
sie 1804 mit einem zweiten Gang." |
Quelle: Der Landkreis
Lörrach, Band II, Seite 527 - 531
Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen, 1994
|
 |
Sonderseite:
Auf
den Spuren des legendären "Türkenlouis"
Die
Gersbacher Linie
- Schanzen
und Wehranlagen - |