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| Weit über 400 Jahre alt: | |
| Das
Gersbacher Scherwuhr
© WS-2001 |
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| Mitten im Wald ein einmaliges wassertechnisches Kulturdenkmal | |
| Das Wuhr ist
die alemannische Bezeichnung für eine „Wasserbeileitung“.
Die Wuhre oder Wühre spielten vor allem im 16. Jahrhundert eine wichtige Rolle im Bergbau. Sie dienten zur Wasserhaltung und Schachtförderung sowie zum Antrieb von Pochwerken und Blasebälgen. Vor allem im Harz, in Sachsen und Böhmen war diese Form der Wasserbeileitung im Bergbau bestens bekannt. Aber auch im Schwarzwald. Auch hier finden sich beeindruckende Anlagen im Todtnauberger Silberbergbau und im „Erzkasten“ vom Schauinsland. Im benachbarten Hotzenwald entstanden bereits im 14. und 15. Jahrhundert kilometerlange Wuhranlagen. Neben den montanhistorischen Wühren der Bergleute wurden die Wuhre im Schwarzwald aber auch von den Bauern gezielt zur Bewässerung, Düngung und schnellen Schneebefreiung von Matten und Wiesen eingesetzt. |
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| Das Gersbacher Scherwuhr wird erstmals
1572 als das „Scherren wuer“
namentlich benannt, doch die berechtigte Vermutung liegt nahe, dass die Anlage wesentlich früher bereits schon bestanden hat. Das Wuhr ist durchschnittlich 1 Meter breit und 30 - 50 Zentimeter tief. Es lieferte mit einem Gefälle von durchschnittlich zwei Prozent den Wiesen und Matten des Dietenschwander Gewannes das ganzjährig notwendige Wasser, um so - wahrscheinlich schon im Mittelalter - an der Südostflanke des Dietenschwander Kopfes erfolgreich Landwirtschaft treiben zu können. |
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| Die Wuhranlage ist eine wassertechnische
Meisterleistung, die das Wasser
von insgesamt neun Quellzuläufen aufnimmt und so dem Dietenschwander Gewann über das ganze Jahr kontinuierlich Wasser zuführen kann. Auf insgesamt 1.900 Metern Länge wird das Wasser von 980 Höhenmetern hinunter auf 905 Meter tiefer geführt. Wobei das Gefälle stets so gewählt wurde, dass die Erosionskraft das Wuhrbett nicht tiefer legte, gleichzeitig aber auch durch eine ausreichend schnelle Wasserführung die Sedimentierung von Schlamm oder Sand vermieden wurde. Nach über 400 Jahren kann man heute noch die optimale Funktion der Gesamtanlage bestaunen, die bis in unser Jahrhundert zur Bewässerung herangezogen wurde. |
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| Das Scherwuhr lässt sich in vielen
Details im Gelände verfolgen, angefangen
vom Schlüsselbächle bis zur Aussenmatte von Dietenschwand. Für viele ist das Wuhr nur ein „Wassergraben“ im Wald, für entdeckungsfreudige Jugendliche aber ein spannendes Erkundungsprojekt. Im Rahmen ihrer historischen Forschungsarbeiten im Gersbacher Raum haben die Schopfheimer Friedrich-Ebert-Schüler der Arbeitsgemeinschaft Mineralien, Fossilien und Gold, besser bekannt unter ihrem Kürzel „Minifossi“, das Scherwuhr erkundet und erstmals 1998 - 1999 vermessen und kartiert. |
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| Inwieweit das Scherwuhr und das Dietenschwander
Gewann auch die
Ansiedlung von Glashütten und Köhlerplätzen begünstigte, werden weiter- gehende Untersuchungen zeigen. Denn nicht nur Mensch, Tier und Anbau- pflanzen mussten mit dem lebenswichtigen nassen Element versorgt werden. Man brauchte ebenso das Wasser zur Pottasche-Gewinnung und Glasherstellung. |
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| Damit stellt sich aber auch die bekannte
„Henne-oder-Ei-Frage“, ob zuerst
die Glaser den Wald rodeten und dann die sogenannten „Mänebauern“ das Land offenhielten. Oder die Glashütten erst danach die idealen Voraus- setzungen von Wasser, Rohstoffnähe und Produktionsmöglichkeit zur Ansiedlung nutzten. |
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| Neben den hydrologischen werden auch die
geologischen Gegebenheiten
der Raumschaft untersucht. Um die Wissenslücken zu schliessen, setzt man bei Minifossi nicht nur auf die bewährte Kooperation mit den Freiburger Spezialisten vom Landesdenkmalamt und vom Geologischen Landesamt. Auch geschichts- und forsterfahrene Gersbacher unterstützen dieses Projekt, das den Schleier über ein fast vergessen gegangenes Kulturgut wieder hebt. |
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| Durch den legendären Orkan "Lothar",
der den Südwesten unseres Landes
verwüstete, wurden im Dezember 1999 große Flächen des Gersbacher Waldes in Mitleidenschaft gezogen. Darunter auch das Terrain des Scherwuhres. Längere Scherwuhr-Strecken wurden durch umgestürzte Bäume und durch die notwendigen Aufräumarbeiten zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogen. |
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| Mit solchen "Kantenschneidern" wurden
im Frühjahr nach der Schneeschmelze
und im Sommer, wenn das Vieh die Kanten der Wuhrrinnen niedergetreten hatten, "nachgeschnitten". Dieses historische Gerät (Länge ca. 1,40 Meter) hängt heute im Scheiderhof, dem Bauernhausmuseum in der Weitenauer Vorbergzone (zwischen Kandern und Schopfheim) . |
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| Der Schneiderhof liegt in Kirchhausen
und vermittelt seinen Besuchern ein sehr
anschauliches Bild über die Lebens- und Arbeitsweisen unserer Vorfahren. |
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| Kontaktadresse:
Schneiderhof in Kirchhausen
D-79585 Steinen-Endenburg Telefon 07629 - 1553 |
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