Weit über 400 Jahre alt:
Das Gersbacher Scherwuhr
© WS-2001
Mitten im Wald ein einmaliges wassertechnisches Kulturdenkmal

Das Wuhr ist die alemannische Bezeichnung für eine „Wasserbeileitung“. 
Die Wuhre oder Wühre spielten vor allem im 16. Jahrhundert eine wichtige
Rolle im Bergbau. Sie dienten zur Wasserhaltung und Schachtförderung 
sowie zum Antrieb von Pochwerken und Blasebälgen. Vor allem im Harz,
in Sachsen und Böhmen war diese Form der Wasserbeileitung im Bergbau
bestens bekannt. Aber auch im Schwarzwald. Auch hier finden sich 
beeindruckende Anlagen im Todtnauberger Silberbergbau und im 
„Erzkasten“ vom Schauinsland. Im benachbarten Hotzenwald entstanden
bereits im 14. und 15. Jahrhundert kilometerlange Wuhranlagen. Neben
den montanhistorischen Wühren der Bergleute wurden die Wuhre im 
Schwarzwald aber auch von den Bauern gezielt zur Bewässerung, 
Düngung und schnellen Schneebefreiung von Matten und Wiesen 
eingesetzt.
Fotos © Werner Störk 1998
 
Das Gersbacher Scherwuhr wird erstmals 1572 als das „Scherren wuer“ 
namentlich benannt, doch die berechtigte Vermutung liegt nahe, dass die 
Anlage wesentlich früher bereits schon bestanden hat. Das Wuhr ist 
durchschnittlich 1 Meter breit und 30 - 50 Zentimeter tief. Es lieferte mit
einem Gefälle von durchschnittlich zwei Prozent den Wiesen und Matten
des Dietenschwander Gewannes das ganzjährig notwendige Wasser, um
so - wahrscheinlich schon im Mittelalter - an der Südostflanke des 
Dietenschwander Kopfes erfolgreich Landwirtschaft treiben zu können.
Fotos © Werner Störk 1998
Die Wuhranlage ist eine wassertechnische Meisterleistung, die das Wasser 
von insgesamt neun Quellzuläufen aufnimmt und so dem Dietenschwander 
Gewann über das ganze Jahr kontinuierlich Wasser zuführen kann. Auf 
insgesamt 1.900 Metern Länge wird das Wasser von 980 Höhenmetern 
hinunter auf  905 Meter tiefer geführt. Wobei das Gefälle stets so gewählt
wurde, dass die Erosionskraft das Wuhrbett nicht tiefer legte, gleichzeitig
aber auch durch eine ausreichend schnelle Wasserführung die Sedimentierung
von Schlamm oder Sand vermieden wurde. Nach über 400 Jahren kann man 
heute noch die optimale Funktion der Gesamtanlage bestaunen, die bis in 
unser Jahrhundert zur Bewässerung herangezogen wurde.
Das Scherwuhr lässt sich in vielen Details im Gelände verfolgen, angefangen
vom Schlüsselbächle bis zur Aussenmatte von Dietenschwand. Für viele
ist das Wuhr nur ein „Wassergraben“ im Wald, für entdeckungsfreudige 
Jugendliche aber ein spannendes Erkundungsprojekt. Im Rahmen ihrer 
historischen Forschungsarbeiten im Gersbacher Raum haben die 
Schopfheimer Friedrich-Ebert-Schüler der Arbeitsgemeinschaft Mineralien,
Fossilien und Gold, besser bekannt unter ihrem Kürzel „Minifossi“, das 
Scherwuhr erkundet und erstmals 1998 - 1999 vermessen und kartiert. 
Fotos © Werner Störk 1998
Inwieweit das Scherwuhr und das Dietenschwander Gewann auch die
Ansiedlung von Glashütten und Köhlerplätzen begünstigte, werden weiter-
gehende Untersuchungen zeigen. Denn nicht nur Mensch, Tier und Anbau-
pflanzen mussten mit dem lebenswichtigen nassen Element versorgt werden.
Man brauchte ebenso  das Wasser zur Pottasche-Gewinnung und 
Glasherstellung.
Damit stellt sich aber auch die bekannte „Henne-oder-Ei-Frage“, ob zuerst 
die Glaser den Wald rodeten und dann die sogenannten „Mänebauern“ das
Land offenhielten. Oder die Glashütten erst danach die idealen Voraus-
setzungen von Wasser, Rohstoffnähe und Produktionsmöglichkeit zur 
Ansiedlung nutzten.
Neben den hydrologischen werden auch die geologischen Gegebenheiten 
der Raumschaft untersucht. Um die Wissenslücken zu schliessen, setzt 
man bei Minifossi nicht nur auf die bewährte Kooperation mit den 
Freiburger Spezialisten vom Landesdenkmalamt und vom Geologischen
Landesamt. Auch geschichts- und forsterfahrene Gersbacher unterstützen
dieses Projekt, das den Schleier über ein fast vergessen gegangenes 
Kulturgut wieder hebt.
Fotos © Werner Störk 2001
Durch den legendären Orkan "Lothar", der den Südwesten unseres Landes 
verwüstete, wurden im Dezember 1999 große Flächen des Gersbacher
Waldes in Mitleidenschaft gezogen. Darunter auch das Terrain des 
Scherwuhres. Längere Scherwuhr-Strecken wurden durch umgestürzte 
Bäume und durch die notwendigen Aufräumarbeiten zum Teil stark in 
Mitleidenschaft gezogen.
Foto © Werner Störk 2001
Mit solchen "Kantenschneidern" wurden im Frühjahr nach der Schneeschmelze
und im Sommer, wenn das Vieh die Kanten der Wuhrrinnen niedergetreten
hatten, "nachgeschnitten". Dieses historische Gerät (Länge ca. 1,40 Meter)
hängt heute im Scheiderhof, dem Bauernhausmuseum in der Weitenauer
Vorbergzone (zwischen Kandern und Schopfheim) .
Der Schneiderhof liegt in Kirchhausen und vermittelt seinen Besuchern ein sehr
anschauliches Bild über die Lebens- und Arbeitsweisen unserer Vorfahren.
Kontaktadresse: Schneiderhof in Kirchhausen 
D-79585 Steinen-Endenburg
Telefon 07629 - 1553

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