Sonderseite
Das Gersbacher Schanzen- und Wallgraben-System
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden
Der legendäre "Türkenlouis", Neffe von Prinz Eugen
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Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655 - 1707),
der wegen seiner siegreichen Schlachten gegen die Türken
auch den Ehrennamen "Türkenlouis" erhielt, verteidigte das
badische Reichsgebiet auch erfolgreich
gegen die Franzosen
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Foto + Web-design © Werner Störk 2002
Das Gemälde oben war die Vorlage für eine gelungene, detailgetreue
Zinnfiguren-Vorlage, welche in perfekter Handkoloratur angefertigt
wird (Museumsshop Wehrgeschichtliches Museum Rastatt)
1655
Am 8. April Geburt im Hotel des Soissons in Paris als
Sohn des badischen Erbprinzen Ferdinand 1655 
Maximilian und der französischen Prinzessin Luisa 
Christina von Savoyen-Carignano. Die Mutter möchte 
Paris nicht verlassen; daraufhin nimmt sein Vater ihn mit
ins Badische und übernimmt alleine die Erziehung. Die 
zweite Frau des Großvaters, Maria  Magdalena, Gräfin
von Öttingen, vertritt Mutterstelle an Ludwig Wilhelm, 
der gemeinsam mit ihrem Sohn (geb. 1657) aufwächst.
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Ludwig XIV.
1669
Tod des Vaters in Heidelberg (durch Wundbrand).
Ludwig Wilhelms Großvater Markgraf Wilhelm übernimmt 
die Erziehung.
1670
Der Großvater schickt ihn zusammen mit mit dem Hofmeister 
Cosimo Marzi Medici auf Kavaliersreise, die ihn zunächst 
nach Besangon (Aufenthalt im Kloster de la Visitation) führt.
1671
Fortsetzung der Reise nach Genf, Mailand, Florenz und Rom 
(Audienz beim Papst und Besuch bei der Familie Medici), 
weiter nach Venedig und Innsbruck
1674
Mit 19 Jahren Beginn seiner militärischen Laufbahn, Eintritt in 
den Dienst des kaiserlichen Heeres
1676
Belagerung und Einnahme der Festung Philippsburg; der Kaiser 
verleiht ihm daraufhin ein Infanterieregiment.
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Ludwig Wilhelm von Baden-Baden
1677
Nach dem Tod seines Großvaters wird Ludwig Wilhelm im Alter
von 22 Jahren regierender Markgraf von Baden-Baden.
1679
Ernennung zum Generalfeldwachtmeister
1683
Beginn des großen Türkenkrieges
Die Belagerung von Wien durch die Türken wird nach dem Sieg
Karls IV. von Lothringen und des polnischen Königs Johann Ill. 
Sobieski aufgehoben. Hiermit wird die osmanische Expansion 
nach Westen aufgehoben. Ludwig Wilhelm und Prinz Eugen von
Savoyen dringen nach Ungarn vor.
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1686
Übernahme eines eigenen Kommandos, mit dem er strategisch
wichtige Städte in Westungarn einnimmt. Ludwig Wilhelm wird 
zum Feldmarschall befördert.
1687
Es kommt zum Ausbruch des Pfälzischen Erbfolgekrieges. 
Österreich muss einen Zweifrontenkrieg gegen die Franzosen
und Türken führen. Das Oberkommando gegen die Türken 
geht an Markgraf Ludwig Wilhelm über. Wegen seines roten 
Kollers (Uniformjacke), der weit über das Schlachtfeld leuchtet,
nennen ihn die Türken den "Roten König".
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Karte der Schanzanlagen von Mannheim
zur Zeit des Pfälzer Krieges
1689
Ludwig Wilhelm kann als Oberbefehlshaber der kaiserlichen 
Truppen u.a. Serbien und Siebenbürgen besetzen. Ettlingen, 
Rastatt, Kuppenheim, Steinbach, Stollhofen, Schwarzach, Bühl, 
Oberkirch und Baden werden von den französischen Truppen 
angegriffen und in Brand gesetzt.
1690
Am 14. Januar 1690 Verlobung, am 27. März 1690 Eheschließung
in Raudnitz mit der erst 15-jährigen Prinzessin Franziska Sibylla 
Augusta von Sachsen-Lauenburg. Teile der zuvor eroberten Gebiete 
Siebenbürgens und Serbiens sowie das strategisch wichtige Belgrad 
gehen in diesem Jahr wieder verloren.
1691
Am 16. August kommt es zur Schlacht von Salankamen (Szlankamen), 
bei der Ludwig Wilhelm mit einem Heer von ca. 50.000 Mann gegen
das türkische Heer antritt, das aus mehr als 90.000 Mann mit 70.000
Pferden, 5.000 Kamelen und Artillerie besteht. Ihm gelingt das fast 
Unmögliche: Die Türken werden in ihrem Lager eingeschlossen. Die 
Beute ist enorm (u.a. die türkische Kriegskasse). Markgraf Ludwig 
Wilhelm erhält von Kaiser Leopold L die höchste militärische
Auszeichnung, die Ernennung zum Generalleutnant. Er wird seitdem 
als "Türkenlouis" gefeiert. Während er gegen die Türken kämpft, 
wird der Hilferuf aus der von Franzosen bedrohten Heimat immer 
größer.
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Sultan Soliman
1693
Er erhält aus der Hand von Prinz Eugen das ihm vom spanischen 
König verliehene Ordenszeichen des Goldenen Vlieses (üblich ist
feierliches Zeremoniell, hier ohne Prunk). Der Türkenlouis erhält 
den Befehl die französischen Angriffe am Oberrhein zu verteidigen.
 Er ist auf die militärische Unterstützung der durch den Franzoseneinfall 
ebenfalls stark bedrohten Kreise Schwaben und Franken angewiesen.
Ludwig Wilhelm muss gegen die überlegenen, modernen  Armeen der
Franzosen in der Defensive kämpfen. Von seinem Vetter Prinz Eugen 
kann er keine  Hilfe erhalten, da dieser das Kommando im Osten 
übernommen hat. Es gelingt ihm, den  Durchbruch der Franzosen über
die Schwarzwaldpässe - so auch Gersbach - zu verhindern.
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Ludwig XIV.
1695
Der Türkenlouis lässt die Befestigungen von Sinsheim und Eppingen 
wiederherstellen. Die Eppinger Linien, die sich von Pforzheim bis an
den Neckar ziehen, werden errichtet. Sie sollen den Schwarzwald 
von Rheinfelden bis Oberkirch - dazu gehört auch der Bereich Gersbach
sichern. Der breisgauische und  schwäbische Landsturm ist mit der 
Verteidigung beauftragt.
1697
Seine Bewerbung um die polnische Königskrone scheitert. Ludwig Wilhelm 
beginnt im 1689 zerstörten Rastatt mit dem Bau einer Festungsstadt. Der
Grundstein für den Bau eines Jagdschlosses in Rastatt wird gelegt. Baumeister 
ist der der italienische Architekt Domenico Egidio Rossi.
1699
 Ende des Türkenkriegs; der Friede von Karlowitz wird geschlossen.
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Zeitgenössische Darstellung eines Angriffes auf eine 
mit typischen Palisaden gesicherte Schanze
1700
Ludwig Wilhelm erhebt Rastatt zur Stadt. Erweiterung des geplanten Jagd-
Schlosses zu einem  Residenzschloss, dem ersten deutschen Schloss nach 
dem Vorbild des französischen Versailles. Die Kosten für das Projekt betragen
ca. 12 Millionen Gulden. 1702 wird der Rohbau weitgehend vollendet.
1701
Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges, der erst 1714 mit dem Rastatter
Frieden beendet wird. Schlacht von Friedlingen. Der französische Durchbruch-
versuch kann abgewehrt werden.
1703
Vereinigung der Franzosen mit den verbündeten Bayern. Die Franzosen 
greifen unter den Marschällen Villars und Tallard Bühl und Vimbach an 
und scheitern. Tallard kann Schwarzbach einnehmen, aber das rechtzeitig
ringsum überschwemmte Stollhofen erweist sich als uneinnehmbar. Die 
Streitkräfte des Prinzen Eugen und des Markgrafen vereinigen sich mit den
holländisch-englischen Truppen unter Marlborough.
1704
Am 2. Juli kommt es zur Schlacht am Schellenberg bei Donauwörth, bei 
der ein weiterer Sieg errungen wird. Es ist der letzte militärische Triumph 
(insgesamt 56 Schlachten und Gefechte) des Türkenlouis. Er wird dabei 
am Oberschenkel schwer verwundet. Bis zu seinem Tod leidet er unter 
dieser Verwundung.
1705
Einzug ins neue Residenzschloss in Rastatt (Nordflügel).
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Ludwig Wilhelm von Baden-Baden
Quelle: "Baden - 1000 Jahre europäische Geschichte und Kultur",
Verlag Friedr. Stadler, Konstanz (1977), ISBN 3-7977-0025-3
1706
Im Oktober Niederlegen des Kommandos (als körperlich
und seelisch gebrochener Mann)
1707
Am 4. Jan. 1707  Markgraf Ludwig Wilhelm stirbt an den Folgen 
der alten Verwundung in seinem Schloss in Rastatt. Sein Leichnam
wird in der Gruft seiner Ahnen in der Stiftskirche in Baden-Baden
beigesetzt. Die Grabpredigt des Jesuitenpaters Paul Usleber 
ging von dem Bibelspruch aus: "Niemand ist ihm mit Gewalt 
überlegen gewesen, kein Ding hat ihn überwunden. - Er hat in
seinem Leben unerhörte Dinge ausgerichtet und in seinem 
Tode Wunderwerke getan." (Eccl. 48,13-15)

 

Fotos © Werner Störk 2004
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, genannt der Türkenlouis,
im Heeresgeschichtlichen Museum von Wien.
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