| Durch
ein Kreuzlemesser verwundete Hexe |
Ein Mann wurde von Hexen
geplagt. Er legte sich daher nachts ein offenes
Kreuzlemesser auf die Brust. Am anderen
Morgen sah er, daß eine
Nachbarsfrau die Hände verbunden
hatte. Sie war die Hexe gewesen und
hatte sich die Hand durchschnitten, so
schlimm, daß es monatelang nicht
heilen wollte. |
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Übler noch ging es
einer Hexe, die einem Hexenbanner in die Hände fiel
und von ihm so zugerichtet wurde, daß
sie ihr Leben lang gekrümmte Finger
davontrug. |
| Das
Fronfastenweib mit schmausendem Gefolge |
In Gersbach besuchte ein Fronfastenweib
abends mitunter einzelne Häuser
mit durchgehendem Hausgang. Ihr Besuch
galt als segensreich, und deshalb
ließ man an solchen Häusern
die vordere und die hintere Türe aufstehen,
damit das Fronfastenweib mit ihrem Gefolge
durchziehen konnte. Ein Mann,
bei dem das Fronfastenweib häufig
durchs Haus ging, bemerkte dabei, daß
es in Küche und Keller rumorte. Einmal
lauerte er auf der Feuerbühne dem
Treiben auf und sah, wie das Fronfastenweib
mit ihrem Gefolge einen seiner
Stiere schlachtete. Da rief er: "Geb mir
auch einen Stotzen!" Der Spuk war
darauf sofort verschwunden, am anderen
Tage aber fehlte seinem Stier die
hintere Keule. |
| Der
Glockenfelsen im Wehratal |
AIs Gersbach in alter Zeit vom katholischen
zum protestantischen Glauben
überging, flogen die geweihten Glocken
aus dem Kirchturm heraus und über
Feld und Wald hinunter ins Wehratal. Dort
befindet sich ein riesig hoher Felsen.
Der öffnete sich und nahm die Glocken
auf. Davon heißt der Felsen heute noch
Glockenfelsen, und wer Glück hat,
der kann heute noch drinnen im Felsen die
Glocken läuten hören. |
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Die Menebauern |
Eine Gräfin von Hatz soll einst Gersbach
und die umliegenden Waldungen
besessen und etwa zwanzig Zinsbauern auf
ihren Höfen gehabt haben.
Durch der Gräfin Vermächtnis
kam der Hof Gersbach und die zugehörigen
Güter nebst 3247 Morgen Wald an diese
zwanzig Zinsbauern. Sofort wurde
die Erbschaft in sogenannte Menen zu je
90 Morgen eingeteilt. Die 25
Menebauern nahmen Taglöhner für
den Bau ihres Gutes zu Hilfe, welche
mit der Zeit teils selbst zu Reichtum
und Ansehen gelangten, teils auch
infolge ehelicher Verbindung mit den Familien
der Meinebauern rechtliche
Ansprüche an Menewald und Menefeld
erwarben und geltend machten. Der
Rechtsstreit dauerte mit verschiedenen
Unterbrechungen mehr als 200 Jahre.
1835 ließen sich die Menebauern
bestimmen, 1387 Morgen Wald zu
Gemeindewald abzutreten; um den Anteil
an dem Menefeld aber dauerte
der Prozeß noch lange Zeit. |
mene = mittelhochdeutsch Fuhr und Zugvieh,
wovon meneweg = Fahrweg kommt |
| Die
Markgräfin im Hotzental (in alemanischer
Sprache) |
S´Gerschbach,
im Hotzewald zue, gits witverstreuti uralti Höf. Dört het emol
e
Markgröfi gern
uf ihrem große Hof glebt, un a e Mühli isch derbi gsi. In guete
Zite het die Markgröfi
z mahle gnueg gha. Do isch aber emol e ganz schlechti
Zit cho und dermit
e großi Hungersnot. Kei Chorn un drum au niene meh kei
Brot hets gee. Au
d' Markgröfi het Hunger liide müeße wie alli andere. Si
het
nümi gwüßt,
wu si Brot herneh soll für ihri Chinder un für ihri Lüt..
E
steinerni
Stapfle isch zue
irem Hus ufegange, do isch si in ihrer Not obe druf gstande
un het grüeft,
derjenig, wu ihre e Laib Brot. |
Quellen:
Ludwig Vögely (1989), Sagen aus dem Markgräflerland, Seite 85
-87. Die
nachfolgenden
Passagen sind der sog. "Kneusslin-Chronik" von Gersbach entnommen.
Dr.
Piepenbrink hat uns vor seinem Tod noch seine Original-Abschrift überlassen.
Die
Texte
wurde von ihm und auch von uns im Original, d. h. auch mit Rechtschreibfehlern
und
auch der alten Schreibweise, übernommen. |
| Gersbacher
Vogt wird Opfer von Marodeuren |
Sagen sind mündliche Überlieferungen,
die man oft wenig beachtet, aber
meist einen geschichtlichen Hintergrund
haben. Es giebt es auch viele
religiöse Sagen, wie Weltliche. Die
Sagen welche hier im Umlauf sind,
beziehen sich meist auf den 30Jährigen
Krieg von früher weiß man hier
so gut wie Nichts. Unser Ort hatte damals
meist von Marodeurs zu leiden. |
Wenn eine Schlacht geschlagen war, so
verbreiteten sich die Soldaten
in die Umgebung, suchten zu essen und
zu rauben wo alle sie etwas
bekamen, dabei auch die Leute zu drangsalieren
wo sie konnten um
Geld zu erpressen besonders in Feindesland,
es wurde damals nicht
so für die Soldaten gesorgt wie in
der jetzt Zeit, auch durch den
schrecklichen langen Krieg, wurden sie
gar arg verwildert. Die Schweden
hielten Anfangs strenge Manneszucht besonders
weil ihr König Gustav
Adolf noch lebte und dabei war, aber Herzog Bernhard von Weimar war
später nicht mehr im Stande die Horden
zu zügeln und so wurden sie
schließlich was die Kaiserlichen
die es darauf abgesehen hatten die
Evangelischen ganz zu vernichten und so
gab es schreckliche
Grausamkeiten; es gieng den Städten
nicht viel besser als dem flachen
Lande. Raub und Plünderung war an
der Tagesordnung und die armen
Bürger und gar die Bauern mußten
alles über sich ergehen lassen. |
Geschichtlich ist festgestellt, daß
die Zeit von 1634 bis 1640 die schlimmste
Zeit für unsere Umgegend, vielleicht
für ganzes Land gewesen sei. Es wird
erzählt: Es sei einmal ein Trupp
Marodeure von der Au her gekommen, wie
diese aus dem Wald auf die Scherentann
gekommen seien haben sie einen
Mann beobachtet, wie er im Kohlenrain
in ein Brunnenloch hineingegangen
sei in der Annahme daß er Geld verbergen
wolle, seien mehrere rasch durchs
Dorf haben ihn aufgesucht und auch gefunden,
aber als sie kein Geld bekommen
haben sie ihn schrecklichzu Todt gemartert
und das sei der damalige Vogt
gewesen welcher sich geflüchtet hatte. |
| Das
blutende Gras |
An der Straße über das Ebnet
nach dem Hörnle hinauf liegt eine für sich
abgeschlossene Wiese, umhagt von Haselstauden.
Diese Wiese gehörte
früher einem Eigenthümer, jetzt
ist sie aber in drei gleiche Theile getheilt,
der unterste oder nächste Theil ist
jedoch nochi in Privatbesitz, während
die zwei oberen Theile um das Jahr 1866
zum Pfarrgut zugekauft wurde
und mit diesem verpachtet werden. In dem
obersten Theil, oben drinn,
quillt an einem Ort eine ziemlich starke
Quelle. Der frühere Eigenthümer,
was jedenfalls schon lange her sein muß,
war gerade um diese Quellen
mit Mähen beschäftigt, als ein
Metzger daherkam um zu Trinkenl |
Wie nun die Sage geht, hatte dieser Metzger
eine schwere Geldgurte um
den Leib und wie es damals gebräuchlich
war, daß das Geld in Ledergurten
umgeschnallt getragen wurde. Als nun derselbe
niederkniete um trinken zu
können, hieb ihm der Mäher mit
einem Streich den Kopf ab, nahm den
Ledergurt an sich, verscharrte den Kopf
und Leib, niemand hatte es ja
gesehen und setzte sich in den Besitz
des Geldes. |
Jedoch als der Mäher das nächste
mal wiederkam zu mähen bei dieser
Quelle, blutete das Gras beim abmähen.
Diese und so war es jedes Mal
so oft er kam fing es beim abschneiden
zu bluten an. Ob diese Erscheinung
den Mörder zu einem Geständnis
brachte, gibt die Sage nicht an. Doch wie
konnte solches bekannt werden sein, wenn
er den Mord nicht und wenn er
auch erst auf dem Todtenbett eingestanden
hätte. |
| Schwedentrunk
und Bauernrache |
Im Dorf hatten sie genommen was zu nehmen
war, seien mehrere Tage
dageblieben. Drunten bei der Mühle,hatten
sie Leute bei denen sie Geld
vermutheten den Schwedentrank gegeben,
d.h. sie sperrten ihnen den Mund
auf, schütteten ihnen schmutziges
Wasser hinein oder gar Gülle bis zum
Ueberlaufen, dan sprangen sie ihnen auf
den Leib das sie platzten, oder
banden sie an die Pferdschwänze und
schleiften sie zu Todte. Bei letzeren
bohrten sie ein Loch in einen Pfosten
steckten einem einen Finger hinein,
schlugen ein Holz fest dazu und ließen
ihn so stehen. Das empörte die
hießigen Leute derart, daß
die beschlossen diese Mörder anzugreifen.
In einem alten Dorfbuche war gestanden:
Es wären im 30-Jährigen Kriege
mehrere hießige Bürger von
den Hinterhäglern und von denen im Zellerthal
erschossen worden. Vielleicht infolge
diesen Vorfalls, erschienen
Schwedische oder Weimarer Truppen wie
sie auch genannt wurden im
hießigen Ort, diese stiegen jeden
Tag auf die Höhen der Mettlen und Hörnle
und schossen hinunter gegen demTahl:.Vermutlich
diesen Räubern zu
beweisen daß sie nicht mehr ungestraft
kommen dürfen. |
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Von meinen Großvater habe ich eine
Sage erzählen hören daß einem
unserer Vorfahren damals in der Nacht
herausgeklopft wurde als er kam
standen Schwedische Truppen vor dem Hause,
der Anführer derselben
sagte ihm er sei ihm als ein wegkundiger
Mann bezeichnet worden, er
müsse sofort mit ihm nach Au, aber
auf Nebenwegen, damit die Kaiserliche
Wacht umgangen werden könne. Da führte
er sie den Zimmerplatzweg,
neben der Raistadt hinunter in das Rothmoos,
sagten ihnen sie sollen nur
den Weg am Loch hinunter dannn seien sie
bald in der Au. Wie er nun
wieder nach Heim zum Wald hinaustrat,
habe sich der Himmel schon gerötet
und die Au sei abgebrannt, ohne daß
es die Wache ob der Au habe verhindern
können. |
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Eben derselbe (mein Großvater) erzählte
mir als 85jähriger Greis aus
diesem Kriege folgendes: während
desselben sei ein älterer Mann von hier auf
die Jagd, als er über die Scherentann
oben in den Stalden kam, begegneten
ihm zwei Reiter (Kürassiere) der
eine sagte zu ihm in spöttischem Ton,
wahrscheinlich in der Annahme er habe
nur Schrot geladen, „Schieß Alterle,
schieß“, mit den Worten “S´wärd
scho cho, mi Herre“, legte der Alte an und
schoß den Zuversichtlichen vom Pferde,di..
sehen warf der Andere sein
Pferd herum und sprengte den abschüssigen
Weg hinunter auf die Wiese
im Rauschbach (jetzt dem Johannes Deiß
gehörig) wo er im Sumpf
steckenblieb. Bemüht sein Roß
wieder herauszukriegen traf ihn der Jäger
welcher im nachgeeilt war und schoß
ihn ebenfalls nieder. Beides waren
Marodeure. |
 |
Wir
beschäftigen uns im Rahmen unserer Fortifikationsforschungen
auch mit Sagen
und Legenden unseres Raumes. Über die bekannten
Fortifikations-
und Jagdelemente wie Wolfsangel
und Wolfsgrube
lag
es daher nahe,
dass wir auch überlieferte Geschichten über einst hier
lebende Wölfe
nachgehen ... |
Als Quellengrundlage diente auch hier
die sog. Kneusslin-Chronik aus
Gersbach (Johann Wilhelm Kneusslin, 1834
- 1920). |
| Vergangene
Wolfszeiten in Gersbach |
|
Blatt 49
|
... Eine andere Sage soll hier noch ihren
Platz finden von der Wolfszeit
her: Eine Frau im äußeren Neuhaus,
sagte zu ihrem Töchterchen vor
dem zu Bett gehen „Geh´ auch noch
vors Haus!“ Da schlug es aber
wieder die Türe zu, kam in
die Stube zurück, sagte es sei ein großes
Tier vor der Türe mit feurigen Augen
und würde es fressen wollen.
Das Kind tat nun jedoch wie die Mutter
befohlen, als es aber die Haustüre
wieder öffnete, hörte die Mutter
ein Schrei, das Schreien ging das
„Bärenloch“ hinunter. Am Morgen konnte
sich die herzlose Mutter
unten im „Bärenloch“ überzeugen,
als sie Fetzen und Knochen fand,
was geschehen war ... |
 |
| Blatt 50 |
... Die Zeiten sind schon längst
vorbei wo der Auerochse,
der Wisent und der Elch in den deutschen
Wäldern gehaust
haben und wo der Biber an deutschen Flüssen
und Seen
seine kunstvollen Wohnungen errichtet.
Auch der Bär hat
weichen müssen, doch hält er
sich immer noch im nördlichen
und östlichen Europa, auch in der
nahen Schweiz ist er noch
nicht ganz ausgerottet. Der Wolf und das
Wildschwein halten
sich immer noch gut im Elsass in den Vogesen,
der Hirsch
ist auch selten geworden und bei uns längst
nicht mehr
anzutreffen. Vom Bären weiß
man nichts mehr dass er in
unserem Wald gewesen und doch muss er
dem Bärenloch
den Namen gegeben haben. Der Hirsch konnte
sich noch
länger halten. |
Mein Großvater erzählte mir
oft dass er zu seiner Zeit Hirsche
genug gesehen habe. Aber Wölfe habe
er nur einen gesehen
und das ging so zu: Als siebenjähriges
Büble sei er mit seiner
Mutter und einer anderen Frau in die sogenannte
Rübrätte
hinunter, um Büchle aufzulesen, da
sei er nach Kinderart vo
n ihnen weg gelaufen ein Stück weit
am Wald aufwärts, da sei
ein großes Tier aus dem Wald zu
ihm hinzu gelaufen, denselben
habe er gestreichelt längere Zeit
endlich habe gerufen: „Mutter
lueg, wie schön Hansle ha“,
die Frauen als sie das sahen,
seien zu Tode erschrocken, denn es war
ein Wolf. |
Sie riefen ihn dann zu sich hinunter zu
kommen, was er endlich
auch tat, denn ihn zu holen getrauten
sich die Frauen nicht. Das
Tier lief dann wieder in den Wald zurück,
sonst habe er keinen
Wolf mehr gesehen, doch habe er auch gehört
dass da oder
dort gesehen worden seien. |
Aber auch jetzt noch besonders Winterszeit
kann es vorkommen,
dass Wölfe und auch Wildschweine
aus dem Elsass herüberkommen,
wenn der Rhein überfroren ist. Die
Hirsche unserem Wald hätten
somit in unserem Wald die Wölfe überdauert
bis zum achtzehnten
Jahrhundert ... |
| .. |