| Aus unserem
Ausstellungsbegleiter durch das Wald & Glas-Zentrum Gersbach ... |
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Wir beginnen unseren Rundgang an
der langen Tischvitrine, die Ihnen einen ersten Einblick in die Geschichte
und die
Herstellung des Glases ermöglicht.
Das Waldglas verbindet nicht nur die alten und die neuen Bundesländer mit ganz
Europa, sondern über die
Auswanderung der Glasbläser sogar mit anderen Kontinenten.
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An der Rückwand bilden originale
Funde der Reste eines Glasofens die authentische Fundsituation einer von
insge-
samt acht Gersbacher Glashütten
nach. Verließen die Glasbläser ihre Standorte, zerlegten sie ihre aus
Holz gezim-
merten Wohnhütten, luden das
Baumaterial auf Karren und zogen an ihren neuen Standort (daher auch der
Name
„Wanderglashütten“). Zuvor
zerstörten sie jedoch noch ihre festgemauerten Glasöfen: Nichts sollte
mehr an die Her-
stellung des Glases erinnern und
bald überwucherte junger Wald wieder die einstige Produktionsstätte. |
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Neben Kalk und Pottasche war vor
allem der Quarz ein wichtiger Grundstoff zur Herstellung des Glases. Dabei
wurden
die Quarzgerölle und Quarzsteine
„gepocht“, d. h. entweder von Hand oder mit Hilfe eines
wasserbetriebenen, mecha-
nischen „Pochwerks“ staubfein
zerkleinert. Da Quarz bei der Glasherstellung so elementar ist, finden Sie
ihn als das
alles verbindende Element in allen
Vitrinen als weißen Quarzsand wieder. |
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Das Glas als Handelsware kam
zuerst im Tauschhandel zum Einsatz. Und hier vor allem in Form von
Glasperlen – sie
waren sehr begehrt und kostbar. Und
so lassen sich Glasperlen in nahezu allen wichtigen Kulturen nachweisen.
Wir
haben eine beeindruckende Kette
vielfältiger Glasperlen aus verschiedenen Kulturkreisen und auch aus
unterschied-
lichen Epochen zusammengestellt.
Dabei auch die vor „magischen Bösem“ schützenden „Augen-Perlen“.
Daneben
sehen Sie originale Beispiele für
das „Millefiori“ (ital. 1000 Blümchen) aus Murano bei Venedig, dem
legendären Glas-
bläser-Zentrum an der Adria, das
als wichtigste südeuropäische Handels- und Schifffahrts-Metropole die
historische
Brückenfunktion zum Nahen Osten,
dem ursprünglichen Entdeckungs- und Entwicklungsraum des Glases und der
Glasbläserpfeife, bildete. |
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Produktfälschungen oder
Markenpiraterie gab es schon immer. Schon früh versuchte man, Edelsteine
aus Glas nach-
zubilden, aber auch die real in der
Natur vorkommenden Naturgläser wie in unserem Beispiel der „Schneeflocken“-
Ob-
sidian mit Hilfe der „Millefiori“–Technik
künstlich zu erzeugen. Begriffe wie „Strass“ oder „Simili“ weisen
auf die bereits
im 18. Jahrhundert wirklich
geglückten
Versuche hin, Diamanten und andere Edelsteine aus bleihaltigem Glas
(Email)
so zu imitieren, dass sie
das Auge des Betrachters wirkungsvoll täuschten. Heute führt das
Unternehmen Swarowski
diese Tradition nicht nur
erfolgreich fort, sondern hat die Technik eindrucksvoll perfektioniert -
und damit eine weltbe-
kannte Marke geschaffen.
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Daneben sehen Sie „Stempel“
und Hohlform-„Model“ zur Herstellung von Christbaumschmuck aus Glas,
was vielleicht
auch Sie an Lauscha erinnert, der
weltbekannten Glashüttenstadt am Rennsteig im Thüringer Wald: Der Heimat
der
Christbaumkugel – aber auch
bekannt für seine faszinierenden Glas-Augen für Menschen, Tiere und
Puppen. |
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„Glättsteine“ aus Waldglas
waren eine wichtige Hilfe für die Hausfrau zu einer Zeit, wo es noch
keine Bügeleisen – und
natürlich schon gar keine
elektrisch betriebenen – gab. Man erwärmte den „Bügelstein“ auf
dem Herd und glättete dann
damit die Textilien. Das alte Bügeleisen
im Übergang zu unserem Modell eines Kohlenmeilers wurde mit glühender
Holz-
kohle gefüllt. Die so erzeugte große
Hitze barg ständig jedoch auch ständig die Gefahr, den Stoff beim Bügeln
zu ver-
brennen. |
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Zu unserem Kohlenmeiler erhalten
Sie weitergehende Informationen an der Info-Säule in der Mitte des
Raumes. Unsere
große Wald-Bild an der Rückwand
weist auf den in Gersbach vorherrschenden „Plenterwald“ hin, einer ganz besonderen
forstlichen
Bewirtschaftungsform (Info-Säule).
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Er ist Ihnen sicherlich gleich
beim Betreten des WGZ sofort ins Augen gefallen: Das Teilmodell eines
historischen Glas-
ofens, so wie er auch hier in
Gersbach zum Einsatz kam. Durch die vordere Öffnung wurden die großen
Glashäfen in
den Ofen geschoben – danach wurde
die Öffnung wieder zugemauert. Die seitlichen Arbeitsöffnungen ermöglichten
dem
Glasbläser - vor der ungeheuren
Hitze im Innern des Ofens geschützt – durch diese Fenster die
Glasschmelze mit der
Glaspfeife (Beispiele hängen über
dem Ofen) zu entnehmen und neben dem Glasofen zu bearbeiten (siehe Info-Säule). |
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Neben dem Glasofen-Modell sehen
Sie einen 36 Kilogramm schweren türkisblauen Glasbrocken: Er entspricht
genau
der Glasmenge, die in einem
Glashafen geschmolzen wurde. Berechnet man zur Herstellung von einem
Kilogramm
Waldglas ca. 200 Kilogramm
Buchenholz, dann benötigte man bereits im Vorfeld für eine einzige
Hafenfüllung rund
7.200 Kilogramm Holz. Da
durchschnittlich vier bis sechs gefüllte Häfen gleichzeitig im Ofen
standen, ergibt sich die
unglaubliche Menge von bis zu
40.000 kg – also 40 Tonnen - Holzverbrauch für eine einzige Ofenfüllung. |
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In unseren drei Vitrinen sehen
Sie nur eine kleine Auswahl von Originalen und Repliken (Nachbildungen)
aus unserer
großen Sammlung mit über 500
Einzelobjekten. In der linken Vitrine weisen wir auf die ältesten
Exponate römischer
Provenienz hin und schlagen den
Bogen über fränkische „Rüsselbecher“ (5./7. Jh.) bis zum
venezianischen „Flügelglas“.
Aber auch historisch interessante
Flaschenformen wie der „Kuttrolf“ oder „Angster“ (16. Jh.) als
„Gluckerflasche“ sowie
eine „Pilgerflasche“ (16.
Jh.) belegen das breite Spektrum an Gläsern aus Waldglas. Dazu zählen
auch die „Pass“- und
„Stangen“-Gläser (15./17.Jh.) |
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In der Mitte können Sie die
Entwicklung der Becherformen mitverfolgen, die alle Varianten der
historischen Waldgläser
zeigen: Vom „Krautstrunk“
(16./17. Jh.) über den „Berkemeyer“ (16. Jh.) bis hin zu den „Römern“
(kommt nicht von Rom,
sondern vom „rühmen“), die als
„Willkomm“- Römer (17. Jh.) problemlos bis zu zweieinhalb Liter Wein
fassen konnten
(bei uns „nur“ 1,2 Liter). |
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| Alle
Fotos © Werner Störk 2008 |
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Was Sie als sicher aufmerksamer
Betrachter natürlich auch vergleichen können sind die unterschiedlichen
„Antirutsch“-
Vorrichtungen, mit denen man das
kostbare Glas gegen fettige Hände (man kannte damals noch keine Bestecke)
oder
durch überschwappende Flüssigkeit
(da der „Halter“ schon einen etwas unsicheren Stand hatte) wappnete:
„Nuppen“
oder „Noppen“ aus punktgenau
aufgesetzter Glasschmelze, als „Stacheln“ ausgezogen oder als
„Warzen“, „Maß-Pass-
Linien“, als „Brombeer-Nuppen“,
als „Rüssel“ oder in einfacher Tropfenform – und all´ das nur,
damit der wertvolle Becher
nicht den Händen entglitt. |
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Da originale Funde ganzer Gläser
sehr selten sind, sind vor allem die historischen Darstellungen der
verschiedenen
Formen auf den Gemälden alter
Meister eine wichtige Quelle, um exakte Nachbildungen anzufertigen, welche
die
ganze Formenvielfalt, aber auch das
handwerkliche Können der damaligen Glasbläser dokumentiert. |
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In der rechten Vitrine finden Sie
überwiegend originale Objekte aus Waldglas, darunter echte Kostbarkeiten
wie die
„Nürnberger Laterne“ oder die
winzigen originalen Fragmente eines „Schaffhauser Bechers“ aus dem
Raum Gersbach,
dem ersten Fund- bzw.
Produktionsnachweis in gesamten Schwarzwald. Aber auch eindrucksvolle Krüge,
Schwarz-
wälder „Guttere“ oder „Gütterli“
(Korbflaschen), historische Waldglas-Exponate aus Böhmen (Vase und
Karaffe), eine
originale Fliegen- und Wespenfalle
aus dem Schwarzwald und „Katzenkopf“- bzw. „Hufeisen“-Flaschen.
Und auch eines
der wichtigsten Waldglas-Produkte
in Gersbach: Fragmente von Butzenscheiben. |
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Wir würden uns sehr freuen, Sie
im Wald & Glas-Zentrum Gersbach begrüßen zu dürfen.
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So finden
Sie zur Barockschanze: Sie fahren - von Schopfheim kommend - durch
den oberen west-
lichen Dorfbereich in Richtung
Osten, kommen dann - vorbei an der "Chäs-Chuchi" (alem.
Käse-Küche
=
Käserei), dem Wald &
Glas-Zentrum und dem Rathaus
an die große Dorflinde mit dem Dorfbrunnen
(beim Gasthaus Pflug),
biegen dann links ab in die Rauschbaustraße
und fahren diese bergwärts durch
bis zum Sportplatz, stellen dort
Ihr Fahrzeug bitte ab und laufen
den Feldweg als Querspange zur Ba-
rockschanze, die Sie von dort aus südlich von Ihnen gelegen
bereits gut erkennen. Bitte parken Sie
auf keinen Fall vor den hohen
Eingangstoren des großen
Weideschuppens, da Sie sonst den landwirt-
schaftlichen Nutzungsbetrieb empfindlich
stören.
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Und falls Sie vom Wehratal
aus kommen, fahren Sie an der Kirche (linker Hand) in die lange Kurve und
biegen am Dorfbrunnen rechts
ab in die Rauschbachstraße. Nun folgen auch Sie der oberen Weg-
beschreibung.
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Bitte fahren Sie in der
engen Rauschbachstraße im Schritt-Tempo, um weder Mensch noch Tier
zu ge-
fährden. Sollten Kühe
auf die Weide oder wieder zurück in Stall getrieben werden, bitten
wir Sie um die
entgegenkommenden Geduld. Wir wünschen
Ihnen eine gute Anreise und einen interessanten Aufent-
halt auf der
Barockschanze. Führungen
können Sie im Vorfeld buchen über die Ortsverwaltung Gers-
bach
07620/227: Sie werden dann von einem erfahrenen
Guide in die Geschichte der großen Wehran-
lagen jener Zeit
eingewiesen.
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Besuchen Sie auch unser
neues Wald & Glas-Zentrum (Schlüssel in der
"Chäs-Chuchi"
- und lassen
sich gleich von den frischestes Gersbacher
Milchprodukten verführen) - auch hier können Sie Führungen
über die Ortsverwaltung buchen.
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Wald &
Glas-Zentrum
Wehratalstraße 10
79650 Schopfheim-Gersbach
Tel.: 07620/227
Fax: 07620/980000
Email: tourismus.gersbach@schopfheim.de
Die Öffnungszeiten des
WGZ sind:
Montag und Mittwoch von 8
- 12 Uhr
Donnerstag von 15 - 18 Uhr
Samstag von 7.30 - 12 Uhr
Sonntags von 15 - 17 Uhr
und nach besonderer Vereinbarung |
Und nutzen Sie das reichhaltige
Angebot der Gersbacher Gastronomie, die für jeden Geschmack das
Richtige aus frischen einheimischer
Produktion anzubieten hat. |
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